Politik : Unfall auf Atom-U-Boot in Russland

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Moskau - Gesicherte Fakten waren, wie stets bei Unfällen mit russischen Atom-U-Booten, auch diesmal eher dürftig. Nach offiziellen Angaben geriet in der Nacht zum Donnerstag auf einem U-Boot der Nordmeerflotte, das in der Barentssee vor der Halbinsel Rybatschij auf Reede lag, die Schiffselektrik in Brand. Sie befindet sich im vorderen Teil des Schiffs, wo auch der Atomreaktor untergebracht ist. Zwei Matrosen – an Bord waren insgesamt 96 Mann – erstickten bei den Löscharbeiten. Das U-Boot wurde inzwischen in seinen Heimathafen Widjajewo geschleppt. Die Marine gestand ein, dass bei dem 16 Jahre alten U-Boot Wartungsfristen abgelaufen waren.

Zwar sagte ein Flottensprecher der Agentur Interfax, die Schutzvorrichtungen für die nukleartechnischen Anlagen an Bord hätten sich gleich nach Ausbruch des Feuers automatisch eingeschaltet, Gefahren für eine Kernschmelze hätten zu keinem Zeitpunkt bestanden. Der Unfall lässt dennoch erneut massive Zweifel an der Sicherheit russischer Atom-U-Boote aufkommen. Experten werden sich nun mit der Frage auseinander setzen müssen, wie es überhaupt zu dem Brand kommen konnte. Die Besatzung galt als erfahren und wurde 2003 als beste der gesamten Kriegsmarine ausgezeichnet.

Fast alle U-Boot-Katastrophen in der Geschichte der Sowjetunion und des postkommunistischen Russlands mit bisher über 800 Toten gehen auf Feuer zurück. Das bisher größte U-Boot-Unglück war jedoch der Untergang der „Kursk“ mit 118 Mann an Bord im August 2000 in der Barentssee. Über eine Woche lang verfolgte die Welt damals die chaotischen und erfolglosen Rettungsversuche. Unglücksursache war die Explosion eines schadhaften Torpedos. Bis heute ist nicht geklärt, wie lange die Besatzung nach der Explosion noch lebte. win

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