• Unfruchtbare Äcker, Krieg als Dauerzustand - Woran die Menschen in Äthiopien und Eritrea leiden

Politik : Unfruchtbare Äcker, Krieg als Dauerzustand - Woran die Menschen in Äthiopien und Eritrea leiden

Die Region Äthiopiens und Eritreas, das Horn von Afrika, gehört zu den ärmsten und wirtschaftlich rückständigsten Regionen der Erde. Selbst im innerafrikanischen Vergleich ist ihre Lage dramatisch. Fast die gesamte Bevölkerung, 90 Prozent, lebt auf dem Lande. Doch die Parzellen der Bauern sind so klein, die Erträge der Böden so gering, dass sie über die reine Selbstversorgung hinaus kaum mit ihren Produkten handeln können. Bestenfalls ein Viertel der landwirtschaftlichen Produktion, schreiben die Enwicklungsfachleute Stefan Brüne und Volker Matthies im "Handbuch der Dritten Welt", können die Bauern vermarkten.

Die typischen Probleme eines Entwicklungslandes werden im Krisengebiet noch durch ungünstige Umweltbedingungen verschärft. In der Gegend, in der Nomaden ein Drittel der Bevölkerung stellen, sind die Böden jahrhundertelang überbeansprucht worden. Weniger als vier Prozent der Flächen sind bewaldet; sie sind deswegen besonders anfällig für Dürren und Schädlingsplagen. Die Fruchtbarkeit des Bodens nimmt auch deswegen Jahr um Jahr um jweils zwei Prozent ab.

Die dramatische Situation wird durch Kriege verschärft, mehr als anderswo. Ds Horn von Afrika, so Brüne und Matthies, sei "seit Jahrzehnten zu den am intensivsten von Bürgerkriegen und zwischenstaatlichen Konflikten heimgesuchten Weltregionen". Seit fast zwei Jahren tobt erneut ein ein Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea. Er begann im Mai 1998 mit der Erschießung von vier eritreischen Offizieren im Grenzland, auf die Eritrea reagierte, indem es äthiopisches Gebiet besetzte. Der Krieg, von der Weltöffentlichkeit fast unbeachtet, hat nach westlichen Schätzungen mehrere zehntausend Menschen das Leben gekostet. Und er kostet Geld, das - so ein oft geäußerter Verdacht - die Regierungen auch von den Mitteln abzweigen, die die Welt zur Bekämpfung des Hungers spendet. Die niederländische Regierung fror deswegen 1999 ihre Hilfen für Äthiopien ein. Obwohl das Pro-Kopf-Einkommen in der Region bei umgerechnet weniger als 200 Mark im Jahr liegt, haben die Rüstungsausgaben nach Expertenrechnungen astronomische Höhen erreicht. Die gesamten Ausgaben beider Staaten für Rüstungskäufe werden für die Zeit zwischen Mai 1998 und Februar letzten Jahres auf über 600 Millionen US-Dollar geschätzt.Äthiopien verfügt angeblich über 350 000 Soldaten, Eritrea über 200 000 bis 250 000.

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