Politik : Ungarn will 2003 EU-Verhandlungen abschließen

uls

Der ungarische Botschafter in Berlin, Gergely Pröhle, rechnet mit einem zügigen Abschluss der Beitrittverhandlungen seines Landes mit der EU. Die jüngsten Misstöne zwischen Tschechien, der Slowakei und Ungarn zum Umgang mit den Benes-Dekreten in der erweiterten EU änderten daran nichts, sagte Pröhle bei einem Besuch des Tagesspiegels. "Die praktische Arbeit bei den Verhandlungen geht gut voran, so dass wir sie im Frühjahr oder Sommer 2003 zum Abschluss bringen können."

Bei vielen strittigen Punkten habe Ungarn auf pragmatische Lösungen gesetzt - so etwa bei der Landerwerbsfrage. Statt auf Übergangsfristen zu beharren, versucht Budapest, Bodenspekulanten durch praktische Kaufbedingungen abzuwehren. "Das wichtigste für uns ist, dass unser Land bewirtschaftet wird. Kaufen darf deshalb jeder, der den Grund zuvor drei Jahre gepachtet und bewirtschaftet hat. Wenn dies ein Österreicher ist, haben wir nichts dagegen."

Ein Verhandlungs-Hindernis sieht Pröhle in der Absicht Brüssels, erst nach zehn Jahren volle Agrarbeihilfen an neue EU-Mitglieder zu leisten. "Man kann nicht verlangen, dass die Kandidaten mehr Wettbewerb zulassen und diesen gleichzeitig durch ungleiche Zahlungen verzerren." Dass Ungarn möglicherweise auf andere Kandidaten warten muss, bis es in die EU aufgenommen wird, sieht Pröhle gelassen. "Wenn wir 2003 den Vertrag abschließen, können die Ungarn 2004 an den Wahlen zum EU-Parlament teilnehmen. Dann bewegt sich doch etwas, auch wenn der offizielle Beitritt erst später erfolgen sollte."

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