Politik : Ungarn zensiert Klassiker Passagen zu Pressefreiheit aus Gedicht gestrichen

Budapest - Ungarns rechtsnationaler Regierung sind offenbar Verse des Nationaldichters Sandor Petöfi (1823–1849), die die Pressefreiheit rühmen, nicht mehr genehm.

Bei der Regierungsfeier zum ungarischen Nationalfeiertag trug ein Schauspieler Petöfis Gedicht über die ungarische Revolution von 1848 vor, doch fehlten darin sechs Verse, die die Pressefreiheit thematisieren. Das berichteten ungarische Medien am Donnerstag.

In den gestrichenen Versen des romantischen Gedichts wird „die Jugend“ aufgerufen, die Presse zu befreien, die von „gottlosen Händen“ „in Fesseln gelegt“ wurde. Petöfi gilt als Held des antihabsburgischen Freiheitskampfs der Ungarn von 1848, an dem er aktiv teilnahm. Am 15. März feiert Ungarn diese Revolte alljährlich mit Staatsakten.

Ungarn hat Ende letzten Jahres ein Mediengesetz eingeführt, das nach Ansicht von Fachverbänden und Bürgerrechtsorganisationen die Pressefreiheit erheblich gefährdet. Eine parteipolitisch einseitig besetzte Kontrollbehörde darf Medien wegen journalistischer Inhalte bestrafen und kann diese dadurch wirtschaftlich ruinieren. Auf Druck der EU hat Ungarn inzwischen die ausländischen Medienanbieter von diesen Bestimmungen ausgenommen. dpa

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