Politik : Ungestört schlafen auf der Bohrinsel

Auch Wissenschaftler attackieren BP

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Washington - Während der tropische Sturm „Bonnie“ geringere Auswirkungen auf die Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko hat als befürchtet, kämpft der britische Konzern BP mit weiteren schweren Vorwürfen. Der Chefelektriker Mike Williams machte bei den Anhörungen zur Katastrophe öffentlich, dass der Alarmmechanismus in den Schlafquartieren teilweise gezielt abgestellt wurde. Es handelt sich nicht um die Alarmanlagen im Bohrbereich, die vor Feuer, Gas oder einem Druckanstieg warnt. Die haben nach den Erkenntnissen funktioniert und Alarm ausgelöst, ehe ein unerwarteter Überdruck im Bohrschacht zur Explosion am 20. April führte. Absichtlich ausgeschaltet war der Mechanismus, der automatisch eine Sirene sowie das Licht in den Schlafräumen einschaltet, sobald anderswo auf der Bohrinsel ein Alarm ausgelöst wird. In den Wochen zuvor hatten sich Arbeiter beschwert, dass sie zu oft durch Fehlalarm aus dem Schlaf gerissen wurden. US-Medien kommen zu dem Schluss, es sei unklar, ob die elf Todesopfer vermieden worden wären, wenn die Automatik eingeschaltet gewesen wäre.

Der Vorsitzende des Professorenverbands der USA, Cary Nelson, wirft BP zudem vor, angesehene Meeresforscher als Berater anzustellen und ihre Arbeit mit Vertragsklauseln einzuschränken, um die Informationen über die Ölpest zu kontrollieren. „Ein gigantischer Konzern versucht, das Schweigen von Hochschullehrern zu erkaufen“, sagte Nelson der BBC. Die US-Regierung hat von BP verlangt, die Erforschung der Langzeitfolgen der Ölpest mit 500 Millionen Dollar über zehn Jahre zu finanzieren.

Dagegen sagte Ivor van Heerden, ein von BP angestellter wissenschaftlicher Berater, dem Tagesspiegel: „Wir machen keine Kompromisse bei wissenschaftlichen Standards, nur weil das Geld für die Forschung von BP kommt.“ Van Heerden ist Meeresbiologe und war zuvor Vizechef des Hurrikan-Zentrums der Universität von Louisiana. In den USA ist die Forschungskooperation zwischen Universitäten und Unternehmen traditionell eng. Klauseln, wonach die Forschungsergebnisse vertraulich behandelt werden, sind üblich, weil daraus oft Patente entstehen.

Nach der Abschwächung des Sturms kann BP den Kampf gegen die Ölpest früher als erhofft wieder aufnehmen. Die Vorbereitungen zur Rückkehr einer Plattform für Entlastungsbohrungen hätten begonnen, teilte BP mit. Am Samstag bestätigte BP, dass es bald Tiefseebohrungen im Mittelmeer vor Libyen beginnen will. Die Rechte hatte der Konzern vor drei Jahren von Libyen gekauft. In den USA wird Argwohn laut, BP habe als Gegenleistung Einfluss auf die schottische Regionalregierung genommen. Die hatte den Lockerbie-Attentäter al Megrahi letzten Sommer begnadigt und nach Libyen ausreisen lassen – offiziell, weil er schwer krebskrank ist. Christoph von Marschall

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