Politik : Ungesunder Klimawandel

USA und Saudi-Arabien blockieren Umweltkonferenz in Buenos Aires / EU will Scheitern abwenden

Sandra Weiss[Buenos Aires]

Die Verhandlungen auf der UN-Klimakonferenz sind in die entscheidende Phase getreten. Während sich Vertreter der EU am Donnerstag in Buenos Aires enttäuscht über die Blockadehaltung der USA zeigten, aber hofften, bis zum Ende der Konferenz an diesem Freitag zu einem Ergebnis zu kommen, riefen Umweltorganisationen die EU auf, sich nicht auf einen völlig verwässerten Kompromiss einzulassen. Die EU hat beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle übernommen.

„Wir sind von der Haltung der transatlantischen Partner enttäuscht“, sagte der niederländische Umweltminister Pieter van Geel. Die USA blockieren im kommenden Jahr geplante Gespräche über den Klimaschutz nach 2012. Dann läuft das Kyoto-Protokoll aus, das die Industrieländer bis dahin zu einer Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen um 5,2 Prozent gegenüber 1990 verpflichtet. Die EU ist bereit, ihre Emissionen um weitere 30 Prozent zu reduzieren, um damit den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius zu halten.

Die Europäer wollen aber auch die USA als weltweit größten Luftverschmutzer und die Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien einbinden. China ist bereits heute nach den USA der zweitgrößte Produzent von Treibhausgasen. Die Delegation aus Peking zeigte sich prinzipiell aufgeschlossen gegenüber weiteren Gesprächen, solange Chinas wirtschaftliche Entwicklung dadurch nicht beeinträchtigt wird. Die USA, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben, erklärten sich in Buenos Aires lediglich zu einem unverbindlichen Treffen Mitte 2005 bereit, bei dem über den aktuellen Stand des Klimaschutzes debattiert werden soll.

Ein weiterer Knackpunkt waren die Ausgestaltung und die Vergabekriterien der Anpassungsfonds, mit denen besonders armen Ländern geholfen werden soll, sich künftigen Klimaveränderungen anzupassen, etwa durch Deiche gegen Hochwasser. Die EU ist der größte Geber für die Fonds, in denen 410 Millionen Dollar bereitgestellt worden. Saudi-Arabien wollte dem jedoch erst zustimmen, wenn auch den erdölexportierenden Ländern (Opec) das Recht auf Kompensationen für künftige Ausfälle zugestanden wird, wenn der Klimaschutz tatsächlich ernster genommen wird. „Das ist eine erpresserische Haltung zu Lasten der Entwicklungsländer“, kritisierte Jennifer Morgan von der Umweltschutzorganisation WWF. Entscheidend dafür, ob die Klimakonferenz scheitert oder nicht, dürfte die Haltung der Schwellen- und Entwicklungsländer der Gruppe der 77 sein. Laut Morgan ist diese Gruppe sehr gespalten.

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