Politik : Unglaublich traurig

Das tödliche Attentat in Frankreich schockiert die Teilnehmer des Weltjugendtages

-

Der erste Tag des katholischen Weltjugendtreffens begann am Mittwoch mit einer Schweigeminute. Tausende Jugendliche waren in Kirchen zur morgendlichen Katechese zusammengekommen und erfuhren erst hier, dass am Vorabend Frère Roger, der 90jährige Gründer und Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, ermordet worden war. Viele waren selbst schon in Taizé gewesen und reagierten schockiert. „Das kann doch nicht sein, so ein friedvoller Mensch“, sagte eine 16-Jährige aus Süddeutschland. „Man denkt, wenigstens eine Woche lang herrscht Frieden“, sagte ein 20-jähriger Kölner, „und dann passiert so etwas.“

Der deutsche Jugendbischof, Franz-Josef Bode, erinnerte vor 1000 Jugendlichen in der Kirche St. Paul an die „Herzenswärme“, die Frère Roger den Menschen gegeben habe und die er selbst in seiner Nähe gespürt habe. Die Kölner Gemeinde St. Agnes, die in engem Kontakt zu der Taizé-Gemeinschaft steht, legte ein Kondolenzbuch aus. Jugendliche aus aller Welt standen Schlange, um sich einzutragen und anschließend in der Krypta der Kirche singend und betend von Frère Roger Abschied zu nehmen. Am Nachmittag kamen Tausende zu einem Gedenkgottesdienst zusammen, an dem auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner teilnahm – auch er zeigte sich tief erschüttert. In den kommenden Tagen soll in den Gottesdiensten des Weltjugendtages ebenfalls des Taizé-Gründers gedacht werden, kündigte der Sprecher des Christentreffens an.

Papst Benedikt XVI. sagte am Mittwoch bei der Generalaudienz in seinem Sommersitz Castelgandolfo, die Todesnachricht treffe ihn umso mehr, als er erst am Vortag einen sehr bewegenden und liebevollen Brief von Frère Roger erhalten habe. Vor seiner Wahl zum Papst, bei der Beisetzungsfeier für Johannes Paul II., hatte der damalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger dem Protestanten Frère Roger die Kommunion gereicht. Die Geste erregte weltweit Aufsehen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sagte, der Versöhner Frère Roger habe ein ähnlich gewaltsames Ende erfahren wie Christus und andere Zeugen für ein gewaltfreies Leben wie Martin Luther King und der ehemalige UN-Generalsekretär Dag Hammerskjöld.

Auch Politiker reagierten schockiert auf die Nachricht. Bundespräsident Horst Köhler sprach von einer „unfassbaren Tat“. Frère Roger habe als Prior von Taizé „über Jahrzehnte wichtige Impulse für die Ökumene gegeben“. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) würdigte Roger als „eine der großen religiösen bedeutsamen Persönlichkeiten der Gegenwart“. Er hob auch Rogers Einsatz für von den Nazis verfolgte jüdische Flüchtlinge sowie für Migranten und Menschen in Entwicklungsländern hervor.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar