Ungleiche Einkommen : Merkel in der Kritik wegen Aussagen in "Emma"-Interview

Sowohl der aktuelle als auch der potenzielle Koalitionspartner der Union, SPD und FDP, kritisieren Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Aussagen zu ungleichen Einkommen von Frauen und Männern. Kritik kam auch noch aus anderen Richtungen.

Cordula Eubel[Armin Lehmann],Marc Mudrak
Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).Foto: Archiv

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte wegen der ungleichen Einkommen von Männern und Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen zu mehr Selbstbewusstsein aufgefordert, aber eine staatliche Regelung als nicht „erfolgversprechend“ Der Unions-Koalitionspartner SPD sowie FDP und Grüne kritisierten die CDU-Chefin für ihre Aussagen heftig und warfen ihr indirekt Populismus vor. Merkel hatte in der Zeitschrift „Emma“ gesagt: „Ich rate jeder Frau, die für die gleiche Arbeit weniger als ihr Kollege verdient, selbstbewusst zum Chef zu gehen und zu sagen: ,Da muss sich was ändern’!“ Zudem müssen mehr Frauen in Führungspositionen gelangen.

Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) forderte, die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern müsse eine Ende haben. „Wohl klingende Ratschläge helfen da nicht weiter. Wir brauchen Gesetze, auf die sich Frauen berufen können“, sagte er. Die Frauenexpertin im SPD- Wahlkampfteam, Manuela Schwesig, forderte ebenfalls eine „verbindliche gesetzliche Grundlage“, die Frauen vor ungleicher Bezahlung schütze und ihnen die Möglichkeit gebe, ihr Recht einzuklagen. „Wer wie Frau Merkel glaubt, mit dem unverbindlichen Ratschlag „mal zum Chef zu gehen“, sei uns Frauen dabei geholfen, verkennt die Wirklichkeit oder will das Problem nicht lösen“, sagte die Sozialministerin aus Mecklenburg-Vorpommern

Die bayerische FDP-Vorsitzende und Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warf Merkel indirekt vor, Mitschuld an den ungleichen Einkommen zu sein. Sie sagte: „Eine Ursache liegt darin, dass die Bundesregierung die zahlreichen Maßnahmen der Familienförderung nicht neu austariert hat. Stattdessen wurde in der Familienpolitik in den letzten vier Jahren oft repariert und appelliert. Bei einer substanziell besseren Kinder- und Ganztagsschulbetreuung hätten Frauen mehr Chancen, besser vergütete Jobs zu finden.“ Die FDP-Politikerin betonte zudem, dass die Ursachen für Lohnunterschiede komplexer seien, als Merkel sage. Viel zu viele Frauen arbeiten in Teilzeit, weil ausreichende Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder fehlen“.

Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast, kritisierte: „Merkel hat keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit von Frauen. Sie macht die Frauen zu Bittstellerinnen, statt ihnen mit Gesetzen den Rücken zu stärken. Wir brauchen endlich ein Gleichstellungsgesetz für die Wirtschaft. Es ist beschämend, dass Frauen immernoch fast ein Viertel weniger verdienen als Männer.“ Statistisch gesehen erhalten Frauen, selbst wenn sie Vollzeit arbeiten, im Durchschnitt 18 Prozent weniger Lohn. Das geht aus dem Sozio-ökonomischen Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor.

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) betonte, dass die Tarifverträge im Einzelhandel gleiche Löhne für Männer und Frauen vorsehen. Für Einkommensunterschiede seien die oft unterbrochenen Erwerbsbiographien vieler Frauen verantwortlich. Den Schuh müssen wir uns nicht anziehen , sagte Pellengahr. Er warf Merkel vor, ihre Äußerung sei nicht frei von Populismus. Der Dienstleistungsverband BGA hingegen unterstützte die Kritik der Bundeskanzlerin.

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