Unicef-Affäre : "Deutsche Spender sind verunsichert"

Die Affäre bei Unicef hat auch Folgen für andere Spendenorganisationen, denn der Vertrauensverlust bei den Gebefreudigen ist groß. Die einzige staatliche Organisation für die Vergabe von Spendensiegeln an Hilfsorganisationen fühlt sich überfordert.

BerlinBurkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), sagte dem Tagesspiegel: "Wir arbeiten momentan unter äußerster Ausnutzung unserer Kapazität." Er forderte eine "Ergänzung der Arbeit des DZI durch ausreichende gesetzliche Bestimmungen". Desweiteren sagte Wilke dem Tagesspiegel: "Zwar wollen viele Organisationen mit unserem Siegel werben, sind sich ihrer wenig ausführlichen und transparenten Geschäftsführung aber nicht bewusst. Viele versuchen es im nächsten Jahr dann wieder." Zu Unicef meinte Wilke: "Wir halten den Jahresbericht von Unicef für siegelwürdig."

Der renommierte Spendenforscher Lothar Schruff erklärte dem Tagesspiegel: "Eine absolute Sicherheit wird es nie geben können." Und der Vorsitzende des Deutschen Spendenrats, Willi Haas, befand gegenüber dem Tagesspiegel: "Die Auswirkungen des Vertrauensverlustes treffen neben Unicef auch andere spendensammelnden Organisationen, denn viele Spender in Deutschland sind verunsichert."

Justizministerin: "Vertrauen stellt sich durch Transparenz her"

Nach der Unicef-Affäre, will die Bundesregierung jetzt prüfen, ob die freiwilligen und gesetzlichen Regelungen zur Transparenz von Spendenorganisationen ausreichen. "Vertrauen stellt sich auch durch Transparenz her. Deshalb werden wir schauen, ob wir die bestehenden Transparenzpflichten verbessern müssen", sagte Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) dem Tagesspiegel. Zunächst gehe es aber darum, dass die Vorwürfe gegenüber Unicef "umfassend aufgeklärt werden." (Tsp)

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