Unicef : Bedingt entlastet

Auch ein Gutachten von Wirtschaftsprüfern kann die Affäre um Unicef nicht endgültig aufklären. Der Verein war in Verdacht geraten, Mitarbeitern überhöhte Honorare gezahlt zu haben.

Ulrike Scheffer

Berlin - Das Kinderhilfswerk Unicef Deutschland kommt nicht zur Ruhe. Der Verein war im Dezember in den Verdacht geraten, ehemaligen Mitarbeitern überhöhte Honorare für freie Dienstleistungen gezahlt zu haben. Auch der aufwendige Umbau der Kölner Zentrale geriet in die Kritik. Unicef beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Untersuchung, die am Montag ihren Bericht vorlegte.

Das Ergebnis: Es gibt keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten, persönliche Vorteilsnahme oder Bereicherung. „Den in Rechnung gestellten und gezahlten Beträgen stehen entsprechende Gegenleistungen gegenüber, und diese entsprechen den geschlossenen Vereinbarungen“, heißt es in dem Bericht. Die Vergütung der Berater habe sich an den Gegebenheiten am Markt orientiert. Dass Unicef in der Regel deutlich weniger als den marktüblichen Honorarsatz zahlt und ausgerechnet im Fall ehemaliger Mitarbeiter tief in die Kasse griff, bewerteten die Prüfer nicht. Sie bemängeln aber, bei Unicef mangele es an Kontrolle und Transparenz. So wurden einige Beraterverträge nur mündlich vereinbart, andere nicht unterschrieben. Große Summen wurden also ohne vertragliche Grundlage gezahlt.

Der Unicef-Vorstand streitet nun offenbar darüber, wie die Ergebnisse zu bewerten sind. Er sprach Geschäftsführer Dieter Garlichs am Montagabend zwar das Vertrauen aus. Die ehrenamtliche Unicef-Vorsitzende und frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis äußerte sich jedoch widersprüchlich. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte sie mit den Worten zitiert, es gebe beim Thema Finanztransparenz grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen Garlichs und ihr. Nach der Vorstandssitzung am Montagabend ließ sie der Zeitung über Unicef mitteilen, dies nie gesagt zu haben. Am Dienstag war Simonis nicht zu erreichen.

Ähnliches hatte sich bereits im Dezember zugetragen, als Simonis ihren Geschäftsführer öffentlich aufgefordert hatte, seinen Posten bis zur Aufklärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. In einer Vorstandssitzung nahm sie die Forderung zurück und tauchte anschließend ab. Damals war der Eindruck entstanden, der ehrenamtlichen Vorsitzenden stehe im Vorstand ein Block altgedienter Unicef-Unterstützer gegenüber, die Garlichs voll vertrauen und ihm weitreichende Handlungsfreiheit zugestehen. Die von KPMG beschriebenen Missstände passen da ins Bild.

KPMG will Verbesserungsvorschläge für das Management machen, und Garlichs hat den Mitarbeitern versprochen, diese umzusetzen, sagte eine Unicef-Sprecherin dem Tagesspiegel. Laut einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ droht aber neuer Ärger: Die Zeitung berichtet, ein ehemaliger Lidl-Manager, der Garlichs persönlich eine Spende von 500 000 Euro zugesagt hatte, wundere sich, dass ein Unicef-Berater für die Spende eine Provision erhielt. Unicef erklärt dazu: Die Spende sei über ein Projekt verbucht worden, das ein externer Mitarbeiter betreue. Diesem stehe eine Provision zu. Der Schaden ist indes schon jetzt groß: Im Dezember blieb das Spendenaufkommen bei Unicef um 3,5 Millionen Euro hinter den Erwartungen zurück.

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