Politik : Unicef fordert Neuregelung von Kindergeld Benachteiligte sollten gezielt gefördert werden

Berlin - Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef fordert gezieltere Hilfen für Kinder aus armen Familien in Deutschland. Statt mit der Gießkanne Wohltaten für alle zu verteilen, müsse die neue Regierung Wege suchen, benachteiligte Kinder früher und besser zu unterstützen, sagte der deutsche Unicef-Vorsitzende Jürgen Heraeus am Donnerstag in Berlin. Kitas und Ganztagsschulen allein seien nicht ausreichend. Heraeus forderte Union und SPD auf, das Ziel festzuschreiben, die Zahl der eine Million in Armut lebenden Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu halbieren. „Das Kindergeld ist eine sehr ineffiziente Maßnahme, Kinderarmut zu bekämpfen“, sagte der Berliner Soziologie-Professor Hans Bertram, der Mitglied des Deutschen Unicef-Komitees ist. Sinnvoller sei es, das Kindergeld nach Bedürftigkeit unterschiedlich zu erhöhen. „Im Grund genommen sollte man auf Dauer auf eine Kindergrundsicherung zusteuern.“

Nach einer Unicef-Studie lebten in Deutschland zwischen 2000 und 2010 rund 8,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen über Jahre in Armut. Die Betroffenen trieben weniger Sport, schauten mehr Fernsehen und rauchten häufiger als Kinder, die nicht in Armut aufwüchsen. Rund 40 Prozent der nur bei einem Elternteil aufwachsenden Kinder lebten zudem unterhalb der Armutsgrenze. Familien mit nur einem Elternteil und einem monatlichen Einkommen bis 1300 Euro gelten als arm.rtr/dpa

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