Unicef : Kinderhilfswerk weiter in der Kritik

Unicef Deutschland kommt auch nach dem Rücktritt seiner Vorsitzenden Heide Simonis nicht zur Ruhe. Das Kinderhilfswerk wehrt sich gegen Verschwendungsvorwürfe.

Hamburg/KölnUnicef wies eine Meldung zurück, wonach der Vorstand einen kritischen Bericht von Wirtschaftsprüfern zur Verwendung von Spendengeldern geschönt habe. Unicef-Übergangschef Reinhard Schlagintweit sagte auf NDR Info, die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG habe lediglich Ordnungswidrigkeiten wie mündliche Vertragsabschlüsse bemängelt. Zugleich sprach er Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs sein Vertrauen aus.

Die "Frankfurter Rundschau" berichtete in ihrer Montagsausgabe, der Leiter der für die Untersuchung von unlauteren Machenschaften zuständigen Forensic-Abteilung von KPMG Deutschland, Dieter John, habe in einem Schreiben vom 14. Januar betont, es sei in der Zusammenfassung "unserer Sonderuntersuchung sehr klar von Verstößen die Rede". Damit bestehe "ein Widerspruch zwischen unseren Feststellungen und der Unicef-Presseerklärung". Unicef solle die Erklärung "sofort aus dem Netz nehmen", forderte KPMG laut "FR" in dem Papier. KPMG wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

KPMG stimmte Vorstandserklärung zu

Unicef Deutschland betonte in einer in Köln veröffentlichten Erklärung, der Vorstand habe am 14. Januar mit der Stimme von Simonis festgestellt, dass es laut KPMG "keine Verschwendung von Geldern, keine Unregelmäßigkeiten oder gar Satzungs- oder Gesetzesverstöße" gegeben habe. Die Vergabe von Aufträgen sei der Prüfung zufolge "stets unter nachvollziehbaren betrieblichen Rahmenbedingungen" erfolgt. Die KPMG habe jedoch Verstöße gegen interne, selbst gesetzte Regeln zum Beispiel bei Unterschriftenregelungen angemerkt, hieß es weiter. Auf diesen Punkt habe sich der von der "FR" zitierte "Formulierungsvorschlag" des KPMG-Prüfers John vom 14. Januar bezogen. KPMG stimmte laut Unicef jedoch bereits am folgenden Tag zu, dass die Vorstandserklärung in der vorliegenden Form im Netz bleibe.

Schlagintweit betonte auf NDR Info, die im KPMG-Bericht bemängelten Ordnungswidrigkeiten bezögen sich darauf, dass Garlichs Verträge teils nur mündlich abgeschlossen habe. Der Geschäftsführer habe sich aber nichts zuschulden kommen lassen, "was gegen das Gesetz verstoßen hat, oder was zu einer Verschwendung von Mitteln geführt hat". Für einen Rücktritt Garlichs' gebe es "nicht den geringsten Grund". Viele Vorwürfe gegen Unicef seien "unberechtigt" und stammten "aus sumpfigen Quellen", kritisierte Schlagintweit. Der Unicef-Vorstand hatte Garlichs mehrfach das Vertrauen ausgesprochen.

Simonis forderte am Montag auf NDR Info mehr Transparenz bei Unicef. Ordnungswidrigkeiten wie mündliche Verträge über Finanzmittel für Berater mit einer Bindung von mehreren Jahren seien "keine 'Peanuts'". Zur möglichen Verschwendung von Spendengeldern wollte sie sich nicht äußern.

Wurde Simonis zum Rücktritt gedrängt?

Die "Bild"-Zeitung berichtete unter Berufung auf Unicef-Insider, Simonis sei zum Rücktritt gezwungen worden. Der Vorstand habe ihr vorgeworfen, ihr Büro habe die Kölner Staatsanwaltschaft mit Informationen über Vorwürfe gegen Garlichs "gefüttert". Mindestens zwei Mal seien Sendungen mit dem offiziellen Briefkopf "Büro von Heide Simonis" verschickt worden. Simonis sei daher vor die Wahl gestellt worden: "Entweder gehst Du - oder wir stimmen über Dich ab. "Kurz darauf habe sie ihren Rücktritt von dem Ehrenamt erklärt.

Die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Simonis war am Samstag vom Vorsitz von Unicef Deutschland zurückgetreten, den sie im Januar 2006 übernommen hatte. Zunächst übernimmt ihr Amtsvorgänger Schlagintweit das Amt. (smz/AFP)

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