Politik : Unicef-Studie: In Industrieländern jedes sechste Kind arm - USA ist Schlusslicht

Rund 47 Millionen Kinder in den Industrieländern leben nach Schätzungen der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef unter der Armutsgrenze. Jedes sechste Kind wachse in einer Familie auf, die weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung habe, heißt es in einer Studie zu Kinderarmut in 23 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das UN-Kinderhilfswerk stellte die Studie am Dienstag in Köln vor. Am unteren Ende der Skala liegt Schweden mit 2,6 Prozent Kinderarmut, Spitzenreiter sind die USA mit geschätzten 22 Prozent. Für Deutschland gibt die Studie eine Kinderarmut von 10,7 Prozent für die Mitte der 90er Jahre an.

Kinder aus armen Familien seien in vieler Hinsicht benachteiligt, beklagte Unicef. Sie lebten häufig in zu kleinen Wohnungen und in vernachlässigten Stadtteilen. Das Angebot sowohl an Schulen und als auch sozialen Angeboten sei entsprechend unzureichend. Arme Kinder hätten häufiger Lernprobleme und brächen öfter die Schule ab als ihre wohlhabenden Altersgenossen. Zudem seien der Konsum von Drogen und Kriminalität bei Heranwachsenden aus armen Familien weiter verbreitet als unter sozial Besserstehenden.

Als Gründe für eine "Armutsfalle" nannte Unicef neben einer unzureichenden Ausbildung und daraus resultierenden schlechten Berufschancen unter anderem ungewollte Schwangerschaften bei Teenagern. Eine wachsende Gruppe armer Kinder werde dauerhaft von der Wohlstandsgesellschaft abgekoppelt. Arbeitslosigkeit sei eine der Hauptursachen für Armut, heißt es in der Studie des Kinderhilfswerkes. Eine hohe Beschäftigungsquote garantiere allerdings nicht automatisch niedrige Kinderarmut. In den USA zum Beispiel liege die Arbeitslosenrate unter fünf Prozent, der Anteil der armen Kinder aber über 22 Prozent.

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