Politik : Unicef sucht neue Führung

Ulrike Scheffer

Berlin - Bei Unicef Deutschland hat die Suche nach einer neuen Führung begonnen. Nach dem Rücktritt der ehrenamtlichen Vorsitzenden Heide Simonis und von Geschäftsführer Dietrich Garlichs sind gleich zwei wichtige Positionen zu besetzen. Am Mittwoch will der Vorstand erste Vorschläge beraten. Der Übergangsvorsitzende Reinhard Schlagintweit rechnet nicht mit einer schnellen Lösung. „Es wird mit Sicherheit noch Monate dauern, bis wir einen Nachfolger für Garlichs gefunden haben“, sagte Schlagintweit der dpa. Aus dem Vorstand des Hilfswerks ist zu hören, dass die Stelle vermutlich ausgeschrieben wird. Offiziell äußern wollen sich die Mitglieder derzeit nicht.

Auch Nachfolgekandidaten für Simonis werden nicht genannt. Aus dem Umfeld des Vorstands hieß es jedoch, es solle „keinesfalls wieder ein Politiker oder eine Politikerin werden“. Die Mitglieder des Gremiums sehen die Verantwortung für die aktuelle Krise des Kinderhilfswerks offenbar noch immer bei der zurückgetretenen Vorsitzenden. Die frühere schleswig- holsteinische Ministerpräsidentin und Finanzfachfrau Simonis hatte von der Geschäftsführung Aufklärung verlangt, als sie durch einen anonymen Brief auf Missstände im Management aufmerksam wurde. Geschäftsführer Garlichs wird unter anderem mangelnde Transparenz und formale Schlampigkeit im Umgang mit Spendengeldern vorgeworfen. Der Vorstand hatte sich indes bis zuletzt hinter Garlichs und gegen Simonis gestellt. Ob nach dem Rücktritt Garlichs’ bei der Sitzung am Mittwoch weitere Vorstandsmitglieder persönliche Konsequenzen aus der Entwicklung ziehen, ist offen.

Simonis, die unter Unicef-Mitarbeitern starken Rückhalt hatte, schließt eine Rückkehr unter den gegebenen Bedingungen jedenfalls aus. „Die Frage stellt sich nicht“, sagte ihr Mitarbeiter Matthias Beigel dem Tagesspiegel. Eine weitere mögliche Kandidatin ist die TV-Moderatorin Sabine Christiansen. Die wohl bekannteste deutsche Unicef-Botschafterin hatte bei einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche gesagt, sie wolle sich künftig noch stärker für das Hilfswerk engagieren. Ulrike Scheffer

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