Politik : Unicef will Kinderrechte in Verfassung

Ruth Ciesinger

Berlin - Der Übergang falle ihr jetzt schwer, sagt die junge Frau. 18 Jahre ist Katharina Thiefes alt, genau so viele wie die UN-Kinderrechtskonvention. Deshalb sitzt Katharina an diesem Freitag in Berlin als Unicef-Juniorbotschafterin mit auf dem Podium, gemeinsam mit prominenten Vertretern des UN-Kinderhilfswerks wie der deutschen Vorsitzenden Heide Simonis oder der Moderatorin Sabine Christiansen. Eigentlich geht es um eine Bilanz, was sich seit der Einführung der Konvention für Kinder verändert hat. Jetzt aber ringen alle um Worte, Simonis stehen Tränen in den Augen. Die 20-jährige Hasina Akter aus Bangladesch hat gerade ihre Geschichte erzählt. Wie vor fast vier Jahren ein Angestellter ihrer Eltern erbost war, weil sie ihm widersprochen hat, und wie der Mann dann in der Nacht über das schlafende Mädchen Säure gekippt und ihm für immer sein Gesicht genommen hat.

Hasina hat schwer verletzt überlebt. Auch aufgrund der Hilfe der Stiftung für Säureopfer in Bangladesch, die Unicef mit unterstützt. Sie frage sich jetzt, sagt die Deutsche Katharina, was aus ihr geworden wäre, wäre sie in einem anderen Land zur Welt gekommen. Christiansen schlägt den Bogen und sagt, es sei furchtbar, wie wenig ein Mädchenleben manchmal immer noch zähle; aber selbst das „reiche Deutschland“ müsse im Blick auf seine Kinder mehr tun. Die Zahl der armen Kinder steige, jedes Siebte lebe auf Sozialhilfeniveau, 2006 hätten 76 000 Kinder ohne Abschluss die Schule verlassen. Wie Heide Simonis forderte Christiansen von der Bundesregierung, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen.

Auch weltweit ist die Bilanz nach 18 Jahren Kinderkonvention gemischt: Jedes Jahr werden laut Unicef 1,2 Millionen Minderjährige zur Prostitution gezwungen, 1,5 Millionen Mädchen beschnitten und 250 000 Kinder als Soldaten missbraucht. Zwar gibt es offenbar Fortschritte gerade was die Weiterentwicklung von Rechten und Institutionen betrifft. Doch höhere Aufmerksamkeit und bessere Schutzgesetze haben noch nichts daran geändert, dass bis heute fast 100 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen; fast 220 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren müssten arbeiten. Und mehr als 200 Millionen Kinder, die in den vergangenen 18 Jahren geboren wurden, starben vor ihrem fünften Geburtstag – zumeist an vermeidbaren Krankheiten.

Dabei schreibt die Konvention ausdrücklich das Recht von Kindern auf Gleichheit, Gesundheitsversorgung und Bildung fest und verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, Kinder vor Ausbeutung und Gewalt zu schützen. Alle Länder bis auf die USA und Somalia haben die Konvention ratifiziert. Über 20 haben die Kinderrechtsbestimmungen in ihre Verfassungen aufgenommen. Ruth Ciesinger

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