Politik : Unilaterale Last

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die Buchstaben IJP standen einst für „Initiative Jugend-Presse“. Da auf die Jugend unweigerlich das Erwachsenenleben folgt, ist auch das Kürzel IJP gereift. Es steht längst für „Internationale Journalistenprogramme“. Diese Organisation bemüht sich um den Austausch von Presse-Nachwuchs zwischen Deutschland und den USA. Am Freitagabend lud IJP zum jährlichen Festessen in die Berliner Repräsentanz der Deutschen Bank. Vor dem Hauptgang gab es zum Nachdenken eine halbe Stunde Wolfgang Schäuble. Der Vize der Unionsfraktion zog sein Fazit aus zwei Jahren schwieriger transatlantischer Beziehungen. Mit Spitzen gegen die Bundesregierung, badischem Schalk, ein wenig Sarkasmus. Als Lehre aus dem Streit über den Irak formulierte Schäuble: „Unilateralismus geht immer zu Lasten des Hegemons.“ Wumm. Das ist so ein Satz von Schäublescher Wucht, so ein Axiom, wie es nur wenige in gleicher Präzision formulieren. Man würde Schäuble gründlich missverstehen, wenn man die Schwächung Amerikas, die er da diagnostiziert, als Aufforderung an Europa verstünde, die Missgeschicke und Missetaten auszunutzen. Schäuble ist jemand, der an den Westen glaubt und sich vor allem wünscht, dass ein jeder seine Pflichten tut. Zum gemeinsamen Wohl. Im Publikum saßen die Chefs von Aspen, American Academy und dem US-Institut für deutsche Gegenwartsstudien. Die sich alle drei, wie IJP, den Austausch von Menschen und Gedanken auf die Fahnen geschrieben haben. Die Zahl junger Deutscher, die mit IJP in die USA wollen, geht aber stark zurück. Abneigung siegt über Neugier. Da geht der US-Unilateralismus dann zu Lasten der – tja, wie soll man Deutschland nennen? – Peripherie?

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