Politik : Union gegen Lehrerjob für Ex-Terroristin

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Bremen/München - Knapp zwei Wochen vor der Bürgerschaftswahl verschärft sich der Streit über die Tätigkeit der früheren RAF-Terroristin Susanne Albrecht als Deutschlehrerin in Bremen. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach warf den Bremer Behörden Versagen im Umgang mit Albrecht vor. „Es kann nicht sein, dass eine Ex-RAF-Terroristin ausgerechnet durch die Arbeit mit Kindern resozialisiert werden soll“, sagte er. Ex-Bürgermeister Henning Scherf (SPD) sprach sich für eine Fortsetzung der Lehrtätigkeit von Albrecht aus. Die Bremer Grünen halten der CDU „populistische Schaumschlägerei in der Öffentlichkeit“ vor.

Bosbach sagte, das Verhalten der Behörden sei völlig unverständlich: „Bei Lehrern darf an der charakterlichen Eignung keinerlei Zweifel bestehen.“ Scherf betonte, von der 57-jährigen studierten Pädagogin gehe keine Gefahr aus: „Ihre Taten sind 30 Jahre her. Sie hat sie tief und glaubwürdig bereut.“ Albrecht habe nie selbst geschossen und nie eine Bombe gezündet. „Sie gehörte nicht zum harten Kern.“ Die Gesellschaft müsse nach einer Entlassung aus dem Strafvollzug bereit sein, Verurteilten eine Chance auf einen Neuanfang einzuräumen. „Wer das wegwirft, wirft das Fundament weg, auf dem unser zivilgesellschaftliches Zusammenleben organisiert ist“, fügte Scherf hinzu.

Im Fall des RAF-Mordes an Generalbundesanwalt Siegried Buback wies dessen Sohn auf angebliche Ungereimtheiten bei den Ermittlungen nach dem Attentat vom 7. April 1977 hin. Zwei damaligen Zeugenaussagen zufolge habe möglicherweise eine Frau vom Soziussitz des Motorrads die tödlichen Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter in Karlsruhe abgegeben, schrieb Michael Buback in der „Süddeutschen Zeitung“. In den Prozessen gegen die als Täter verurteilten RAF-Mitglieder hätten diese Aussagen aber „keine erkennbare Rolle gespielt“. Buback erinnerte daran, dass die Tatwaffe des Anschlags bei der Ex-RAF-Terroristin Verena Becker gefunden wurde, als diese am 3. Mai 1977 festgenommen wurde. Die Debatte um die Rollenverteilung beim Mord an Buback war zuletzt wieder aufgeflammt, nachdem der frühere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock wiederholt Stefan Wisnieswki als Todesschützen benannt hatte. ddp/AFP

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