Politik : Unionsregierte Länder unterstützen Verein katholischer Laien

Der Zeitplan für den angekündigten langfristigen Ausstieg der katholischen Kirche aus der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung ist nach wie vor unklar. Zunächst können Schwangere in Notlagen weiter davon ausgehen, dass sie auch in den katholischen Beratungsstellen den für eine straffreie Abtreibung gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsschein ausgestellt bekommen, ergab eine Umfrage am Montag. In den meisten der 27 deutschen Bistümer wird erst nach dem im November geplanten Gespräch der Oberhirten mit dem Past in Rom eine Entscheidung über den konkreten Zeitpunkt des Ausstiegs erwartet.

Der Paderborner Erzbischof Degenhardt, der wie sein Kölner Kollege Kardinal Meisner als Ausstiegsbefürworter gilt, will bereits an diesem Mittwoch seine Pläne zur Zukunft der Konfliktberatung vorstellen. Das Bistum Erfurt lässt sich dagegen Zeit. Nach Angaben eines Sprechers von Bischof Wanke wird das Bistum weder in diesem noch im nächsten Jahr den Ausstieg aus der Konfliktberatung beschließen. "Wir sind eine 2000 Jahre alte Institution, wir lassen uns damit Zeit", sagte Sprecher Kießwetter.

Zahlreiche Bischöfe haben bereits angekündigt, dass sie Papst Johannes Paul II. im November ihre Bedenken gegen einen Ausstieg mitteilen wollen.

Der von katholischen Laien gegründete Verein "Donum vitae" (Geschenk des Lebens) zur Schwangerenkonfliktberatung hat den Rückhalt der unionsregierten Bundesländer erhalten. Wie die amtierenden und designierten Sozialminister von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Sachsen und Thüringen am Montag in Wiesbaden beschlossen, soll die katholische Beratung in ihren Ländern auch dann anerkannt und finanziell gefördert werden, wenn sie in der Verantwortung von katholischen Laien liegt. Sie sagten "Donum Vitae" ihre "vollste Unterstützung" zu. Der Verein war am Freitag vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gegründet worden, um den voraussichtlichen Ausstieg der Bischöfe aus dem staatlichen Beratungssystem aufzufangen. An dem Treffen in Wiesbaden nahmen auch Vertreter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion teil.

Der von Hessen eingebrachten Resolution zufolge soll das "katholische Element in der Schwangerschaftskonfliktberatung" erhalten bleiben. Die Minister und ihre Staatssekretäre sowie die Bundestagsabgeordneten appellierten jedoch auch an die Bischöfe, eine Beratung künftig zu gewährleisten. Jeder einzelne Bischof trage die Verantwortung und habe nach dem Beschluss der Bischofsvollversammlung den Spielraum der individuellen Gewissensentscheidung, betonte Hessens Sozialministerin Mosiek-Urban (CDU). Im Interesse des Schutzes ungeborenen Lebens dürfe nicht auf die katholisch geprägte Beratung, sei sie nun durch kirchliche Institutionen oder Laien getragen, verzichtet werden.

Die Bischöfe hatten in der vergangenen Woche in Fulda keine gemeinsame Position zur Schwangerenberatung gefunden. Sie hatten über die Problematik auf der Grundlage eines Schreibens aus dem Vatikan beraten, wonach Papst Johannes Paul II. den Verbleib im Beratungssystem nicht mehr duldet. Der wiedergewählte Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Lehmann, hatte mehrfach betont, die Entscheidung liege letztlich bei jedem einzelnen Bischof.

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