Politik : Unionsspitzen favorisieren Schäuble als Rau-Nachfolger

Merkel berät heute mit Westerwelle über gemeinsamen Kandidaten

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Berlin (bib/cas). Bei der Suche nach einem BundespräsidentenKandidaten macht sich die Führung der Union öffentlich für Wolfgang Schäuble stark. Kurz vor einem für den Sonntag ins Auge gefassten ersten informellen Gespräch zwischen CDU-Chefin Angela Merkel und FDP-Chef Guido Westerwelle lobten sowohl Merkel als auch CSU-Chef Edmund Stoiber den früheren CDU-Partei- und Fraktionschef als geeigneten Bewerber. Er schätze Schäubles intellektuelle Kraft, sagte Stoiber in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel". „Er hätte den Mut, dem Land, das vor schwer wiegenden Veränderungen steht, Wege zu weisen.“

Der bayerische Ministerpräsident bekräftigte, dass er definitiv nicht für das höchste Staatsamt zur Verfügung stehe. Merkel sagte, sie habe keinen Grund, an der Ernsthaftigkeit von Stoibers Absage zu zweifeln. Im Magazin „Focus“ auf Schäuble angesprochen, sagte die CDU-Chefin, dieser habe bei den Wahlen zum Vizefraktionschef ein „sehr gutes Ergebnis“ bekommen, warnte allerdings zugleich davor, diese Abstimmung als eine Art Vorwahl für das Präsidentenamt zu betrachten.

Für Schäuble machte sich auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff stark. „Wolfgang Schäuble wäre ein hoch anerkannter und vorzeigbarer Kandidat über die Parteigrenzen der Union hinweg“, sagte Wulff der „Bild am Sonntag“. Auch sein hessischer Kollege Roland Koch sprach sich in einem am Samstag aufgezeichneten ZDF-Interview für Schäuble aus.

Nach Tagesspiegel-Informationen hat der Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg in der Unionsfraktion, Georg Brunnhuber, Merkel die Unterstützung der Südwest-Abgeordneten für einen Kandidaten Schäuble signalisiert. Dies ist bedeutsam, weil bisher auch der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel als denkbarer Kandidat genannt worden war. Aus den Reihem der FDP heißt es aber auch, Teufel verkörpere kein Aufbruchsignal.

Bei dem Treffen zwischen Merkel und Westerwelle, über das die „Rheinische Post“ zuerst berichtet hatte, soll keine Entscheidung fallen. CDU, CSU und FDP peilen derzeit eine Verständigung auf einen gemeinsamen Bewerber bis Anfang Dezember an.

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