Politik : Unpräzise, aber gefährlich

Wie Experten die irakische Rakete „Al Samoud II“ bewerten

Alexander Visser

Eine irakische Rakete beschäftigt die Welt: Die Al Samoud II kann offenbar bis zu 180 Kilometer weit fliegen. UN-Resolutionen verbieten dem Irak aber Flugkörper, die über 150 Kilometer hinaus kommen. Der britische Premier Tony Blair vermutet einen „erheblichen Verstoß“ gegen UN-Resolution 1441, der die UN zu ernsthaften Konsequenzen berechtigen würde. Saddams Militärs hatten die Reichweite der Al Samoud II zunächst mit 149 Kilometern angegeben. Gegenüber den Waffeninspekteuren räumten sie dann jedoch ein, dass sie im Prinzip auch weiter fliegen könne. Wegen ihrer Ungenauigkeit, so die Iraker, könne man sie effektiv aber nur bis 150 Kilometer einsetzen.

„Die Al Samoud II basiert auf der veralteten sowjetischen SA-2-Boden-Luft-Rakete und wurde zur Boden-Boden-Rakete umgebaut“, erklärt Militärexperte Phillip Mitchell vom Londoner „Institut of International Strategic Studies“. Sie sei nicht sehr präzise, könne aber biologische oder chemische Gefechtsköpfe befördern. „Es ist eine Terrorwaffe, die gegen größere Truppenkonzentrationen oder gegen Städte eingesetzt werden kann“, beschreibt Mitchell.

Die Rüstungsexperten der Washingtoner „GlobalSecurity.org“ vermuten, dass der Irak die Rakete nach Ende der UN-Sanktionen als Grundlage für den Bau von Langstreckenwaffen nutzen will. Der erste offiziell bei den UN angemeldete Test sei 1997 erfolgt und „war ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu einer eigenständigen irakischen Raketenproduktion.“ Den Experten zufolge ist nicht bekannt, ob der Irak bereits über passende biologische oder chemische Gefechtsköpfe verfügt. Der Name Al Samoud (deutsch: „Standhaftigkeit“) solle wohl an den palästinensischen Widerstand gegen Israel erinnern.

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