Politik : Unrecht verhindern – auchmitGewalt

Malte Lehming

Washington - Eine Taube ist er gewiss nicht, und selbst Falke klingt zu harmlos. Der „Economist“ gab Paul Wolfowitz den Beinamen Velociraptor. Das sind jene beißwütigen Dinosaurier, bekannt durch „Jurassic Park“. Realisten jedenfalls, wie Henry Kissinger oder Colin Powell, sind Wolfowitz ein Gräuel, Stabilität ist ihm verdächtig. Ruhe heiße oft „Grabesruhe“, sagt er. Stattdessen will er verändern, revolutionieren. Er gilt als die Inkarnation des Neokonservativen. Mit Richard Perle ist er befreundet, US-Vizepräsident Dick Cheney war sein Mentor.

Nur Minuten, nachdem der bisherige Vize von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld von Präsident George Bush zum neuen Weltbankchef nominiert wurde, hagelte es Proteste. Demokraten, Liberale, Menschenrechtler, Kriegsgegner, Dritte-Welt-Advokaten: Alle schlugen Alarm. Denn Wolfowitz war stets der Antreiber. Ob Präventivkriegsdoktrin, Irakkrieg, Raketenschild, Eindämmung Chinas, offensive Menschenrechtspolitik – all das stand auf seiner Agenda, lang vor dem 11. September 2001.

Sein Vater, ein polnischer Jude, kam nach dem Ersten Weltkrieg in die USA. Der Rest der Familie wurde fast komplett von den Nazis ermordet. Das hat ihn geprägt. Das „Nie Wieder!“ hieß für ihn nie wieder untätig sein, wenn Unrecht geschieht, sondern handeln, eingreifen, zur Not mit Waffengewalt. Oft spricht er von Kitty Genovese. Das ist eine New Yorkerin, die 1964 ermordet wurde, während Dutzende von Nachbarn zusahen, ohne die Polizei zu rufen. Der gelernte Mathematiker, der fließend Französisch, Hebräisch und Indonesisch spricht, war der Intellektuellste im Bush-Kabinett. Ruhig im Ton, nie agitierend, trägt er seine Sicht der Dinge vor. Nach John Bolton, dem künftigen US-Botschafter bei den UN, zieht nun ein zweiter prominenter Neokonservativer in ein Herzstück des Multilateralismus ein.

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