Politik : „Unreflektierte Aktivitäten“

Max Strauß muss 300 000 Euro wegen Beihilfe zum Betrug zahlen

Mirko Weber[München]

Der Vorsitzende Richter der 6. Strafkammer am Münchner Landgericht versuchte vergeblich, Max Strauß doch einmal ein Wort zur Sache zu entlocken. Doch Wolf-Stefan Wiegand hatte keinen Erfolg. Strauß zog es vor, in dem am Freitag in München verhandelten Wabag-Prozess bei jener Linie zu bleiben, die er auch im Augsburger Verfahren wegen Steuerhinterziehung gewählt hat: Er lässt seine Anwälte reden.

Nach zweieinhalbstündiger Verhandlung steht das Urteil fest: Für seine anwaltlichen Beratertätigkeiten bei der Industriefirma Wabag, die über Jahre hinweg Anleger um eine Gesamtsumme von 120 Millionen Euro schädigte, muss Max Strauß ein Bußgeld von 300 000 Euro zahlen – wegen der billigend in Kauf genommenen Beihilfe zum Betrug in drei Fällen. Der Angeklagte, der laut Aussage seiner Verteidiger „noch in geordneten Verhältnissen“ lebt und als „Patient und Privatier“ vorgestellt wurde, wird die Summe von Oktober diesen Jahres an in Raten von monatlich 15 000 Euro abstottern.

Normalerweise hätte sich der Prozess, in dem die Hauptschuldigen bereits zu Freiheitsstrafen von bis zu acht Jahren verurteilt worden sind, mehrere Wochen hinziehen können. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes von Max Strauß und der zusätzlichen psychischen Anspannung durch das Augsburger Verfahren hatten sich Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung jedoch schon vor der Verhandlung auf ein mögliches Strafmaß geeinigt. Max Strauß gilt damit nach wie vor nicht als vorbestraft.

Günstig hatte sich für den Angeklagten laut Staatswanwaltschaft ausgewirkt, dass er sofort ein Geständnis ablegte. Im Prozess selber betonte noch einmal sein auch in Augsburg amtierender Anwalt Wolfgang Dingfelder, dass Max Strauß schon 1995, zu Beginn seiner Tätigkeit für die Wabag, nicht mehr recht in der Lage gewesen sei, „kritische Distanz zu einer Betrügerfirma“ zu wahren. Max Strauß’ „hyperaktive, unreflektierte Aktivitäten“, so Dingfelder, seien nur erklärlich, wenn man berücksichtige, dass der Angeklagte aufgrund familiärer Dispositionen versucht habe, „Vorlagen zu erfüllen“, die er „nicht habe erfüllen können".

Mit Blick auf die bereits zeitlich fortgeschrittene Augsburger Verhandlung mochte sich Richter Wiegand den Hinweis nicht verkneifen, dass „späte Geständnisse an Wert verlieren. Das sollten Sie sich einmal durch den Kopf gehen lassen, Herr Strauß!“

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