• Unruhen auf dem Tempelberg: Israelische Polizisten dringen in den Eingangsbereich der Al-Aqsa-Moschee ein

Unruhen auf dem Tempelberg : Israelische Polizisten dringen in den Eingangsbereich der Al-Aqsa-Moschee ein

Israelische Polizisten gehen in Jerusalem gegen aufgebrachte Muslime vor und verschaffen sich Zutritt zur Al-Aqsa-Moschee. Das kommt nur selten vor - und ist äußerst heikel.

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Steine gegen Polizisten: Israelische Sicherheitskräfte im Eingangsbereich der Moschee.
Steine gegen Polizisten: Israelische Sicherheitskräfte im Eingangsbereich der Moschee.Foto: dpa

Wochenlang war es ruhig auf dem Tempelberg, dem heiligen Ort für Muslime und Juden in der Altstadt Jerusalems. Am Sonntag kam es jedoch wieder zu Zusammenstößen zwischen jungen Muslimen und der israelischen Polizei. Die Muslime hatten sich nach israelischen Angaben in der Al-Aqsa-Moschee mit Steinen, Molotowcocktails, Brandsätzen und Feuerwerkskörpern versammelt, vermutlich, um jüdische Gläubige am Morgen auf dem Tempelberg und an der Klagemauer anzugreifen.

Um die gewaltbereiten Araber zurückzudrängen, kamen die Beamten auf den Tempelberg, was nur selten geschieht. Dort drängten sie die jungen Männer zurück in die Al-Aqsa-Moschee. Die Polizisten hätten dabei aber nur den Eingangsbereich und nicht den Gebetsraum der Moschee betreten, um die Türen zu schließen, betonte ein Polizeisprecher auf Anfrage des Tagesspiegels. Vier Polizisten wurden demnach verletzt, als die Männer mit Steinen nach ihnen warfen. Mehrere junge Muslime sind Zeitungsberichten zufolge verhaftet worden.

Wegen des Feiertags Tischa Beaw waren am Sonntag viele Juden zum Beten an die Klagemauer gekommen, die an den Tempelberg grenzt. Rund 850 Juden besuchten laut Polizeiangaben auch den Tempelberg selbst, darunter der Minister für Bau- und Wohnungswesen, Uri Ariel, von der nationalreligiösen Partei Habait Hajehudi. Tischa Beaw ist für Juden ein Fasten- und Trauertag, an dem sie an die Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels in den Jahren 600 vor Christus und 70 nach Christus erinnern. Diese waren einst dort gebaut, wo heute die AlAqsa-Moschee und der Felsendom stehen – der drittheiligste Ort für Muslime.

"Mohammed ist ein Schwein"-Video

Besuche dieser Art sind umstritten, weil sich viele Muslime durch die jüdische Präsenz bedroht fühlen. Nichtmuslimen ist es nur erlaubt, zu bestimmten Uhrzeiten und ohne religiöse Symbole den Tempelberg zu betreten. Sie dürfen dort auch nicht beten, was aber das Ziel einiger nationalreligiöser Gruppen ist. Einige wollen hier sogar den dritten Tempel errichten.
Vor wenigen Tagen hatte ein Video im Netz Aufregung verursacht: Es zeigt, wie eine Jüdin nach dem Besuch auf dem Tempelberg sagt: "Mohammed ist ein Schwein." In dem Video ist auch zu sehen, wie eine Gruppe vom Muslimen die jüdischen Besucher beschimpft.

Zuletzt kam es Ende 2014 zu heftigen Auseinandersetzungen auf und um dem Tempelberg. Im Oktober war der heilige Ort für einige Tage sogar komplett geschlossen worden. Verwaltet wird der Tempelberg von der jordanischen Waqf, eine Art muslimische Stiftung, Israels Polizei ist für die Sicherheit zuständig.

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