Unruhen : China stellt 1000 Tibeter vor Gericht

China will ein Zeichen setzen: Mehr als 1000 Menschen, die an den tibetischen Massenprotesten gegen die chinesische Fremdherrschaft teilgenommen haben, sollen noch im April vor den Kadi kommen.

Peking/Neu Delhi/OsloNach den wochenlangen Unruhen gegen die chinesische Fremdherrschaft in Tibet wollen die Behörden jetzt mit Massenprozessen für Ruhe sorgen. Mehr als 1000 Teilnehmer an den schweren Ausschreitungen in Lhasa sollen noch in diesem Monat vor Gericht gestellt werden. Der Vizeparteichef der tibetischen Hauptstadt, Wang Xiangming, sagte nach Angaben der tibetischen Zeitung "Xizang Shangbao" vom Donnerstag, mehr als 800 Gesetzesbrecher seien festgenommen worden. Zudem hätten sich über 280 Protestteilnehmer gestellt. Der Vizeparteichef versicherte, dass sich derartige Unruhen wie Mitte März nie mehr wiederholen würden. Die Situation in Lhasa habe sich beruhigt.

Der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, appellierte an die Staatengemeinschaft, sich weiter für ein Ende des harten chinesischen Vorgehens in Tibet einzusetzen. Er sprach sich am Mittwochabend in seinem Exil in Indien erneut für eine internationale Untersuchung der Unruhen in Tibet und deren Ursachen aus. Medien und internationale Ärzteteams sollten Zugang zu den betroffenen Regionen erhalten, forderte er.

"Kein Boykott": Spitzenpolitiker fehlen bei Eröffnungsfeier

Regierung und Opposition in Norwegen wollen die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking boykottieren. Kulturminister Trond Giske sagte in Oslo im Sender NRK, das Fernbleiben sei ein "deutliches Signal" für die Forderung nach Einhaltung der Menschenrechte in China. Eine Sprecherin der oppositionellen Konservativen meinte, das Fernbleiben sei für Norwegen ein "sehr wahrscheinliches Szenario". Mehrere Länder der EU, zu der Norwegen nicht gehört, wollen ihre Spitzenpolitiker nicht zur Eröffnungsfeier schicken, bezeichnen dies aber nicht als Boykott. Dazu gehört auch Deutschland.

Aus Angst vor Protesten von Exil-Tibetern verkürzen die indischen Behörden die Route für den olympischen Fackellauf in der Hauptstadt Neu Delhi. Der Sender NDTV meldete, der geplante neun Kilometer lange Streckenverlauf sei um 2,5 Kilometer reduziert worden. Das Außenamt teilte mit, Außenminister Pranab Mukherjee habe seinem chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi am Mittwoch zugesichert, dass alle notwendigen Vorkehrungen getroffen würden, um den Fackellauf zu einem "Erfolg" zu machen. Indische Medien hatten berichtet, China habe gedroht, den Fackellauf in Neu Delhi ausfallen zu lassen, falls die Sicherheit nicht garantiert werde.

Touristen sollen im Mai wieder nach Tibet reisen können. Nach den Unruhen werde das Reiseverbot für in- und ausländische Besucher zum 1. Mai wieder aufgehoben, teilte das Tourismusamt von Tibet nach chinesischen Medienberichten mit. Ausländische Touristen brauchen dann aber immer noch die übliche Genehmigung des Außenamtes von Tibet. Ob das Reiseverbot auch für ausländische Journalisten aufgehoben wird, war nicht klar. Der Vizevorsitzende des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in Peking, Wang Wei, sagte, nach den Unruhen sei es ruhig geworden, "aber ein paar Probleme dauern an". (mpr/dpa)

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