Unruhen im Irak : Regierungschef will Militäroffensive fortsetzen

Schon mehr als 100 Menschen sind den schweren Kämpfen in mehreren irakischen Städten zum Opfer gefallen. Regierungschef Nuri el Maliki will die Militär-Offensive gegen bewaffnete schiitische Kämpfer trotzdem fortführen. Für Bagdad haben die Behörden eine Ausgangssperre verhängt.

Irak
Im Irak herrscht der Ausnahmezustand. -Foto: AFP

Bagdad/Basra/Washington Nuri el Maliki will Härte demonstrieren. Ungeachtet schwerer Kämpfe in mehreren irakischen Städten mit über hundert Toten hat Regierungschef Nuri el Maliki die Fortsetzung der Armee-Offensive gegen schiitische Milizionäre angekündigt. Es sei die Pflicht der Sicherheitskräfte, Zivilisten vor "Banden" zu schützen, die Angst und Schrecken verbreiteten, erklärte Maliki am Donnerstag.

Dreitägige Ausgangssperre

Seit Beginn des Einsatzes im südirakischen Basra am Dienstag starben nach offiziellen Angaben mindestens 105 Menschen. Für Bagdad verhängten die irakischen Behörden eine dreitägige Ausgangssperre. Sie solle von diesem Donnerstagabend bis Sonntagmorgen dauern, berichtete die irakische Nachrichtenagentur "Voices of Iraq" unter Berufung auf Behördenangaben. Der radikalen Schiitenpredigers Moktada Sadr rief zu einer "friedlichen und politischen Lösung" auf.

Dem Fernsehsender El Irakija sagte Maliki, die Offensive richte sich nicht gegen eine bestimmte Gruppierung. Er sei jedoch überrascht gewesen, "dass eine besondere politische Gruppierung regelrecht in die Luft gegangen ist und ihre Kräfte zusammengetrommelt hat, um die Arbeit der Regierung zu blockieren und die Polizei anzugreifen", fügte er hinzu, ohne jedoch Details zu nennen. Wütende Schiiten forderten Malikis Rücktritt.

Schwere Gefechte

Allein in Kut südöstlich von Bagdad starben nach Polizeiangaben Donnerstagfrüh 44 Menschen bei Kämpfen zwischen Soldaten und Anhängern Sadrs. Der örtliche Polizeichef sagte, unter den Toten seien 40 Milizionäre und vier Polizisten. Die Totenzahl nach den  Gefechten im schiitischen Bezirk Sadr City von Bagdad stieg nach amtlichen Angaben auf 30. Auch in der Provinz Babylon starben irakischen und US-Vertretern zufolge acht Menschen bei Kämpfen. Aus Basra meldete das Rote Kreuz 23 Tote. Offenbar gab es am Morgen im Dschumhurija-Viertel im Zentrum - einer Hochburg von Sadrs Mahdi-Armee - schwere Gefechte.

Basra war durch den Brand einer durch einen Anschlag beschädigten Pipeline in eine Wolke aus schwarzem Rauch gehüllt. Ein Sprecher des betroffenen Konzerns Southern Oil Company sagte, die Reparaturen dauerten bis zu drei Tage. Nach Bekanntwerden des Sabotageakts, aber auch aus Verunsicherung wegen der Kämpfe in der wichtigen Öl-Stadt Basra kletterte der Ölpreis in London auf über 107 Dollar (rund 68 Euro) pro Barrel.

Bush begrüßt entschlossenes Vorgehen der Regierung

US-Präsident George W. Bush begrüßte in einem von mehreren ausländischen Medien veröffentlichten Interview das entschlossene Vorgehen der Regierung in Bagdad. Demnach sprach er von einem "positiven Moment" in der Entwicklung des Landes, denn es habe sich gezeigt, dass die irakische Regierung sich jetzt selbst verteidigen könne. (mfa/AFP)

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