Politik : Unruhen im Nahen Osten: Palästinenser schließen Schulen

Palästinensische Demonstranten haben sich am Sonntag in den Städten des Westjordanlandes und im Gazastreifen erneut Straßenschlachten mit der israelischen Armee geliefert, bei denen nach ersten Berichten mehr als 60 Menschen verletzt wurden. Ein palästinensischer Polizist wurde bei den Ausschreitungen von israelischen Soldaten erschossen. Zwei Demonstranten, die am Samstag mit Kopfschüssen in Krankenhäuser gebracht worden waren, erlagen ihren Verletzungen. Das Kabinett Arafats forderte am Samstagabend die Vereinten Nationen auf, das Verhalten der Israelis zu untersuchen.

Insgesamt hat sich die Zahl der Toten bei den Unruhen vom Wochenende damit auf 23 erhöht. 612 seien verletzt worden, sagte der palästinensische Gesundheitsminister Riad Sanun. Auch die israelische Armee meldete bisher Dutzende Verletzte. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak hat Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in einem Telefongespräch aufgefordert, gegen die gewalttätigen Proteste vorzugehen.

In Kairo ist am Sonntag die Arabische Liga zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengetroffen. Generalsekretär Esmat el Meguid machte zum Auftakt des Treffens der 22 Ständigen Repräsentanten der Organisation den Besuch des rechtsgerichteten israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem Jerusalemer Tempelberg für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich.

Der Informationsminister der palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Abderrabbu, verlangte die Einsetzung eines internationalen Komitees zur Untersuchung der "Verbrechen gegen die Palästinenser sowie deren heilige islamische Stätten". Abderrabbu bezeichnete die jüngste Gewaltwelle als "richtiges Massaker gegen die Palästinenser, von denen 30 getötet und 1000 verletzt wurden". "Das ist Israels zivilisierte Behandlung von Palästinensern. Wäre dies irgendwo anders in der Welt geschehen, dann hätten wir eine scharfe Verurteilung erlebt", sagte er. Zuvor hatte bereits Ägyptens Präsident Husni Mubarak dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak in einem Telefongespräch seinen "Ärger und sein Bedauern" mitgeteilt.

Die meisten Toten wurden am Sonntagmittag unter großer Anteilnahme der palästinensischen Bevölkerung beerdigt. Unter den Getöteten war auch ein zwölfjähriger Junge, der am Samstag ins Kreuzfeuer palästinensischer Heckenschützen und der israelischen Armee geriet. Wegen des tragischen Zwischenfalls wurden die palästinensischen Schulen bis Dienstag geschlossen, um zu verhindern, dass Kinder auf dem Schulweg zwischen die Fronten kommen. Der von Palästinenserpräsident Jassir Arafat ausgerufene Generalstreik aus Protest gegen "das brutale Massaker am palästinensischen Volk" wurde auch am Sonntag weitgehend beachtet.

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