Unruhen in Ägypten : El Baradei widersetzt sich dem Hausarrest

Mohammed el Baradei trat am Sonntag zusammen mit den Muslimbrüdern auf. Die ägyptische Armee verstärkt ihre Präsenz, Kampfjets fliegen über Kairo, Soldaten rücken auch in den Badeort Scharm El Scheich vor. Das Auswärtige Amt verschärft die Reisewarnung.

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Der Hoffnungsträger der ägyptischen Opposition, Mohammed el Baradei, widersetzt sich dem Hausarrest und tritt in der Öffentlichkeit auf, zusammen mit Führern der oppositionellen Muslimbrüdern.
Der Hoffnungsträger der ägyptischen Opposition, Mohammed el Baradei, widersetzt sich dem Hausarrest und tritt in der...Foto: dpa

Der Friedensnobelpreisträger Mohamed el Baradei wurde am Sonntag von mehreren Oppositionsgruppen, darunter die islamistischen Muslimbrüder, als Ansprechpartner für Verhandlungen mit der Regierung beauftragt. El Baradei zeigte sich trotz Hausarrests am Abend auf dem zentralen Tahrir-Platz und sprach zur Menge. Der Sender Al-Dschasira zitierte ihn mit dem Worten: „Was wir angefangen haben, lässt sich nicht zurückdrehen. Wir beginnen eine neue Ära.“ Er bekräftigte zudem seine Rücktrittsforderung an Mubarak. Offenbar konnten aber nur wenige Menschen seine Worte hören.

Das ägyptische Militär hat nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen der vergangenen Tage am Sonntag Stärke demonstriert. Im ganzen Land fuhren Panzer auf, um Infrastruktur und Gebäude zu sichern. Kampfjets der Luftwaffe flogen im Tiefflug über die Innenstadt Kairos. Das Militär rückte auch in den Badeort Scharm el Scheich vor, wenngleich aus den Touristenzentren noch keine Demonstrationen gemeldet wurden.

Revolution in Ägypten
Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug feiern auch die Soldaten mit.Weitere Bilder anzeigen
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12.02.2011 10:47Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug...

In ganz Ägypten protestierten am Sonntag zwar weniger Menschen als in den vergangenen Tagen, Tausende forderten aber erneut den Rückzug von Präsident Hosni Mubarak. Seit Beginn der Proteste sind mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. Neue Opfer gab es seit der Nacht zum Sonntag vor allem in mehreren Gefängnissen außerhalb Kairos, aus denen Häftlinge ausbrachen, wie arabische Sender berichteten. Auch am Sonntag wurde vor allem in Kairo wieder geplündert. Bürgerwehren versuchten, ihre Viertel zu schützen. Im Ägyptischen Museum, Ort des Tutanchamun-Schatzes, wurden viele Stücke zerstört.

US-Außenministerin Hillary Clinton verlangte von Staatschef Hosni Mubarak einen „geordneten Übergang“ zu einem demokratischen System. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Sonntag: „Eines wissen wir, niemand kann einfach so zur Tagesordnung zurückkehren; nichts wird mehr so sein, wie es war.“ Das Auswärtige Amt verschärfte am Sonntag seine Reisewarnung für Ägypten. Von Reisen nach Kairo, Alexandria und Suez sowie in die urbanen Zentren im Landesinnern mit Ausnahme der Tourismusgebiete am Roten Meer rät das Außenministerium ab. Eine Rückholaktion gebe es derzeit nicht. Die Lufthansa bietet eine Sondertelefonnummer an, unter der Flüge ausschließlich ab Kairo gebucht werden können (+49-30-50 57 03 41). In den Touristenorten am Roten Meer verlaufe der Flugverkehr derzeit normal. Außerdem könnten sich deutsche Staatsbürger an die deutsche Botschaft in Kairo wenden sowie an die Hotline des Auswärtigen Amtes (+49-30-500 00). (mit dpa)

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