Unruhen in Tibet : Amnesty International lehnt Olympia-Boykott ab

Ein Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking würde sich nach Meinung von Amnesty International negativ auf die Bereitschaft der Chinesen auswirken, mehr für Menschenrechte zu tun. Ein China-Experte der Organisation nahm aber gleichzeitig auch den IOC in die Pflicht, mehr Druck auf die chinesische Regierung auszuüben.

Olympia-Boykott
Tibetische Aktivisten mit den olympischen Ringen um den Hals. -Foto: dpa

PassauDer China-Experte der deutschen Sektion von Amnesty International, Dirk Pleiter, warnt nach den Unruhen in Tibet vor dem Ausbruch weiterer Konflikte in China im Vorfeld der Olympischen Spiele. China genieße wegen der Spiele weltweite Aufmerksamkeit, sagte Pleiter der "Passauer Neuen Presse". "Das kann politische Spannungen sogar befördern mit der Gefahr, dass es zum offenen Konflikt kommt, wie gerade in Tibet", sagte er. Auch während der Wettkämpfe könne es zu Demonstrationen kommen.

Einen Boykott der Olympischen Spiele aufgrund des Tibet-Konflikts lehnte Pleiter ab. "Für die Chinesen sind die Spiele eine Anerkennung für die beachtlichen Fortschritte, die sie in den vergangenen Jahren gemacht haben. Wenn man ihnen das verweigert, würde die Bereitschaft der chinesischen Führung abnehmen, auch bei den Menschenrechten mehr zu tun", sagte Pleiter. Ein Boykott wäre kontraproduktiv.

Pleiter sagte, er sehe nun besonders das Internationale Olympische Komitee (IOC) in der Pflicht. "Bislang hat sich das IOC darauf verlassen, dass die Olympischen Spiele schon eine Verbesserung der Lage bringen werden. Doch diesen Automatismus gibt es nicht", sagte er. Das IOC müsse konkrete Schritte für eine Verbesserung der Menschenrechtslage einfordern. "Dazu gehört die Freilassung der Chinesen, die nur wegen ihrer Kritik an den Olympischen Spielen inhaftiert wurden", sagte Pleiter. Außerdem solle sich das IOC für unabhängige Beobachter in Tibet einsetzen. (mbo/ddp)

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