Unruhen in Tibet : Aufstände greifen auf China über

China hat zugegeben, dass es auch in chinesischen Provinzen außerhalb Tibets zu Unruhen gekommen ist. Von offizieller Seite heißt es, dabei sei es nur zu Sachbeschädigungen gekommen. Mehr Sorgen bereitet den chinesischen Behörden derzeit der Vorstoß des britischen Premiers Gordon Brown, der sich im Mai mit dem Dalai Lama treffen möchte.

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Schrei nach Freiheit: Auf der ganzen Welt kommt es derzeit zu pro-tibetischen Kundgebungen. -Foto: dpa

Peking/LhasaChina hat am Donnerstag erstmals Angaben über die Proteste außerhalb Tibets gemacht. Es hat seit Samstag in verschiedenen Bezirken der Provinzen Sichuan und Gansu Unruhen gegeben, meldet die amtliche Nachrichtenagentur.

Mit Steinen und Benzinbomben bewaffnete Aufständische hätten Regierungsgebäude, Polizeiwachen, Krankenhäuser, Schulen, Geschäfte und Märkte gestürmt. Behördenvertreter und Polizisten seien verletzt worden, es sei massiver Sachschaden entstanden.

Kein Wort von tibetischen Opfern

Die chinesischen Behörden haben nach eigenen Angaben "mit massiver Zurückhaltung" auf die Proteste außerhalb Tibets reagiert, heißt es in dem Bericht weiter. Am Mittwochabend sei die Lage weitgehend ruhig gewesen.

Von tibetischen Opfern ist in dem offiziellen Bericht nicht die Rede. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen wurden mindestens acht Menschen getötet, als Sicherheitskräfte am Sonntag auf eine antichinesische Demonstration in Sichuan schossen. Am Dienstag wurden Fotos veröffentlicht, auf denen Aktivisten die Leichen von tibetischen Demonstranten erkannt haben.

Erneut Vorwürfe gegen den Dalai Lama

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte am Dienstag erstmals von Protesten außerhalb Tibets gesprochen, aber keine genaueren Angaben gemacht. In dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht wurde der Sprecher der Regierung von Gansu, Zhang Yusheng, mit den Worten zitiert, die Unruhen seien koordiniert gewesen und stünden im Zusammenhang mit dem Aufstand in Lhasa. Der Sprecher macht die Anhänger des Dalai Lama verantwortlich.

China bezeichnet seit Beginn der Unruhen den Dalai Lama als Drahtzieher der Aufstände. Dementsprechend unwirsch hat Peking auf ein für Mai geplantes Treffen des geistigen Oberhaupts der Tibeter mit dem britischen Premierministers Gordon Brown reagiert.

Gordon Brown verärgert China

China sei aufgrund dieser Nachricht "ernstlich beunruhigt", sagte Außenministeriumssprecher Qin Gang nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua in Peking. Er fordert den Premierminister auf, das "wahre Gesicht" des Dalai Lama zu erkennen.

Tibet-Aktivisten begrüßten hingegen die Entscheidung Browns. Mit Vorsicht wurde eine Äußerung des Premierministers aufgenommen, wonach Chinas Regierungschef Wen Jiabao bereit sei, mit dem Dalai Lama Gespräche zu führen. (iba/dpa/AFP)

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