Politik : Unruhen in Tunesien weiten sich aus

Tunis/Paris - Die sozialen Unruhen in Tunesien haben die Hauptstadt Tunis erreicht. Präsident Zine el Abidine Ben Ali setzte die Armee zum Schutz wichtiger Gebäude ein. Er entließ am Mittwoch außerdem den Innenminister und ordnete die Freilassung aller festgenommenen Demonstranten an. Erstmals kam es im Zentrum von Tunis zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen etwa 200 Demonstranten und der Polizei. Dabei gab es nach Augenzeugenberichten mehrere Verletzungen durch Tränengas. Soldaten waren an den Ausschreitungen nicht beteiligt. Am Abend verhängte die Regierung eine nächtliche Ausgangssperre.

Der seit Mitte Dezember anhaltende Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit hat sich mittlerweile zu einer regimekritischen Massenbewegung in zahlreichen Orten des Landes ausgeweitet.

Am Mittwoch wurden bei Unruhen im Süden des Landes zwei Männer erschossen. Nach Augenzeugenberichten eröffnete die Polizei das Feuer auf Demonstranten im Ort Douz etwa 500 Kilometer südlich von Tunis. Über die Opferzahlen gehen die Angaben weit auseinander. Die Regierung sprach bisher von 21 Toten, Gewerkschafter gehen von etwa 50 Toten seit dem vergangenen Wochenende aus.

Die französische Regierung verzichtet weiter darauf, die tunesische Regierung für ihr gewaltsames Vorgehen zu kritisieren. Ben Ali gilt in Paris als Bollwerk gegen den Islamismus. Die französische Regierung hält sich deswegen traditionell mit Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen in Tunesien zurück. Die Europäische Union verurteilte das Vorgehen der Sicherheitskräfte. dpa

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