• Unruhen sollen niedergeschlagen werden - 63 Tote bei Kämpfen zwischen Moslems und Christen

Politik : Unruhen sollen niedergeschlagen werden - 63 Tote bei Kämpfen zwischen Moslems und Christen

Die indonesische Armee hat nach den andauernden Unruhen auf den Molukkeninseln am Mittwoch die Polizeigewalt übernommen. Die Unruhen sollen niedergeschlagen und die Ordnung wieder hergestellt werden, sagte ein Militärsprecher. Allein in der Landeshauptstadt Ambon wurden bei den Zusammenstößen zwischen Christen und Moslems seit Sonntag 63 Menschen getötet und 140 verletzt. Dies berichtete die staatliche indonesische Nachrichtenagentur Antara. Die Armeeführung gab die Zahl der Getöteten mit 44 an.

Auf der östlich von Ambon gelegenen Insel Haruku kamen nach Fernsehberichten bei Krawallen am Mittwoch sechs Menschen ums Leben; 32 wurden verletzt. Ein Militärsprecher in Ambon sagte, die Polizei bereite sich darauf vor, dem Militär die Verantwortung für die innere Sicherheit der Insel zu übergeben. Die Regierung solle den Notstand möglichst schnell erklären, forderte er. Im zivilen Notstand dürfen die Sicherheitskräfte Häuser durchsuchen, Verdächtige in Gewahrsam nehmen und eine Ausgangssperre verhängen. Die jüngsten Unruhen waren am Sonntag in Ambon-Stadt ausgebrochen, nachdem ein 14-jähriger moslemischer Junge von dem Auto eines Christen überfahren worden war. Seit Anfang kamen auf Ambon, der Hauptinsel der ostindonesischen Molukken, mehr als 800 Menschen durch Gewalt ums Leben.

Ein weiterer Militärsprecher bestätigte den Ausbruch von Gewalt auf Haruku, konnte sich jedoch zu den Opferzahlen nicht äußern.

Die Zerstörungen und Gräueltaten in Ost-Timor waren nach Einschätzung des Leiters der zuständigen UN-Verwaltung, Sergio Vieira de Mello, systematisch geplant. In Regionen wie Suai oder Oecussi stehe kein Stein mehr auf dem anderen, erklärte Vieria de Mello am Mittwoch in einem Interview der spanischen Tageszeitung "El Pais": "Das war keine spontane Gewalt."

Obwohl die Terrorwelle pro-indonesischer Milizen erst vier Monate her sei, schreite die nationale Aussöhnung schneller voran als erwartet, sagte der Brasilianer weiter. Die Befürworter einer Unabhängigkeit von Indonesien bewiesen "große Toleranz und Weisheit". Die Gewalt war nach der Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit Ost-Timors von Indonesien am 30. August ausgebrochen.

Unterdessen weisen Vertreter von Milizen und Militär vor einer Untersuchungskommission der indonesischen Regierung offenbar weiterhin eine vermutete Beteiligung der Streitkräfte an der Terrorkampagne zurück. Wie indonesische Zeitungen am Mittwoch berichteten, gab der Führer von 13 pro-indonesischen Milizengruppen, Joao da Silva Tavares, nach der Befragung durch den Ausschuss die Verantwortung der Milizen für die Gewalt zu. Er habe sich jedoch ebenso wie der frühere Polizeichef von Ost-Timor, General Timbul Silaen, geweigert, Fragen zur Beteiligung der Streitkräfte zu beantworten. Ex-Militärchef Wiranto weist jegliche Verantwortung des Militärs zurück.

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