Politik : Unruhen vor der Wahl im Senegal

Opposition will keinen Boykott.

Steine gegen Wade.Demonstrant in der senegalesischen Hauptstadt Dakar.Foto: Reuters Foto: REUTERS
Steine gegen Wade.Demonstrant in der senegalesischen Hauptstadt Dakar.Foto: ReutersFoto: REUTERS

Dakar - Gut drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl im Senegal ist es erneut zu Gewalt zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Am Rande einer Demonstration Tausender Gegner von Amtsinhaber Abdoulaye Wade kam nach Angaben aus Krankenhauskreisen am Dienstagabend ein junger Mann ums Leben. Die Opposition erklärte derweil, den Urnengang trotz ihrer Kritik an der erneuten Kandidatur Wades nicht boykottieren zu wollen.

In der Hauptstadt Dakar hatten am Dienstagabend Tausende Menschen gegen einen Entscheid des Verfassungsrats demonstriert, der die Kandidatur des inzwischen 85-jährigen Präsidenten trotz seiner bereits absolvierten zwei Amtszeiten für rechtens erklärt hatte. Nachdem sie zunächst friedlich auf dem Platz des Obelisken protestierten, schritten am frühen Abend Sicherheitskräfte ein. Sie gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor.

Ein 32-Jähriger kam während der Proteste ums Leben. Er sei kurz vor seiner Einlieferung in ein Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, verlautete aus Klinikkreisen. Nach Angaben örtlicher Medien wurde er von einem Polizeiwagen erfasst und tödlich verletzt. Von offizieller Seite gab es zu dem Fall vorerst keine Stellungnahme. Bereits in den vergangenen Tagen waren mehrere Menschen getötet worden.

Zu der Demonstration in Dakar hatte die Bewegung vom 23. Juni (M23) aufgerufen, um von Wade einen Rückzug seiner Kandidatur zu fordern. Wade ist bereits seit zwölf Jahren an der Macht. Nach Ansicht seiner Gegner darf er nicht nochmals antreten, weil die aktuell geltende Verfassung nur zwei Amtszeiten zulässt. Allerdings wurde seine erneute Kandidatur am Wochenende vom Verfassungsrat für zulässig erklärt.

In dem Bündnis M23 sind mehrere Oppositionsparteien und zivilgesellschaftliche Verbände organisiert, die ein neues Mandat für Wade ablehnen. Einer ihrer führenden Vertreter, der Präsidentschaftskandidat Moustapha Niasse, sagte, die Opposition des westafrikanischen Landes werde an dem Urnengang am 26. Februar teilnehmen. „Wir werden die nächste Präsidentschaftswahl nicht boykottieren, weil das Wade und seinem System zu viel Spaß bereiten würde.“ Ein Boykott wäre ein „schwerer Fehler“.

Niasse war unter Wade Regierungschef, gehört inzwischen aber der Opposition an. Er ist einer der 14 Kandidaten, deren Bewerbung für die Präsidentschaftswahl am 26. Februar vom Verfassungsgericht zugelassen wurde. Der bekannte Sänger Youssou N’Dour dagegen wurde von dem Urnengang in gut drei Wochen ausgeschlossen. AFP

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