Politik : Unsozial und egoistisch

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Die jungen Leute sollen die Freiheit haben, die sich die heutigen Alten auch „nahmen“, nämlich dafür zu sorgen, dass es den Kindern immer besser geht als den Eltern. Was etwas schwierig ist, wenn es den Eltern bisher so gar nicht schlecht ging, aber in Zukunft etwas weniger gut gehen wird. Doch Herr Mißfelder hat die Lösung. „Früher“ ist das Zauberwort. Ja, früher wurde auch 48 Stunden an sechs Tagen in der Woche gearbeitet. Früher gab es 12 Tage bezahlten Urlaub im Jahr. Früher kannte man keine Elternzeit und keinen Bildungsurlaub. Bedingungen, unter denen ich Anfang der sechziger Jahre auch noch gearbeitet und Leistungen für die Solidargemeinschaft erbracht habe. Fangen wir also von vorn an, jede Generation schafft sich ihre eigene Zukunft neu!

Aber mal im Ernst: Die Unbarmherzigkeit, mit der junge Politiker darüber nachdenken, wie das Zusammenleben der Generationen künftig aussehen könnte, ist erschreckend. Ich habe mein Leben lang mit immer höher werdenden Beiträgen zur Sozialversicherung auch die Renten und die Gesundheitsversorgung von Menschen mitfinanziert, die selbst keinen Pfennig in die Sozialversicherung eingezahlt hatten, und dies nach meinem Verständnis von Solidargemeinschaft auch immer für selbstverständlich gehalten. Die Last verstärkt auf eine Gruppe zu legen (heute die Rentner, morgen vielleicht die kinderlosen Ehepaare und übermorgen Rothaarige), ist unsozial und egoistisch. Vergessen wir nicht: Wir leben immerhin in einer Wohlstandsgesellschaft, dies wird sich auch nicht ändern, wenn wir alle von allem etwas weniger hätten!

Ingrid Döring, BerlinKreuzberg

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