Politik : Unter Beobachtung

Frankreich sieht durch Bush eigene Interessen in Afrika in Gefahr

Ulrike Scheffer

Der erste Tag von George W. Bush in Afrika könnte zugleich der heikelste werden. Nicht nur, weil der US-Präsident in Senegal die Insel Gorée besuchen will – von der aus Millionen schwarzer Sklaven nach Amerika verschifft wurden. Dieser Termin ist als versöhnliche Geste an die schwarze Bevölkerung der USA gedacht und deshalb Teil der Wahlkampf-Kampagne des Präsidenten. Auch aus einem anderen Grund steht Bush in dem westafrikanischen Land unter besonderer Beobachtung: Senegal war einst die wichtigste Kolonie Frankreichs südlich der Sahara. Und erst vor wenigen Monaten hat Staatspräsident Jacques Chirac als Gastgeber eines Afrika-Gipfels deutlich gemacht, dass er weiter Einfluss auf dem Kontinent ausüben will.

In Afrika sind Paris und Washington Konkurrenten. „Es gibt Interessenkonflikte zwischen beiden“, sagt auch der Direktor des Hamburger Instituts für Afrika-Kunde, Andreas Mehler, „dabei geht es aber nicht nur um Rohstoffe, wie vielfach vermutet wird, sondern auch um Rückhalt für die eigene Politik, etwa im UN-Sicherheitsrat.“ Tatsächlich standen in der Irak-Krise gleich drei afrikanische Staaten im Mittelpunkt des diplomatischen Gezerres bei den Vereinten Nationen. Kamerun, Guinea und Angola wurden von Befürwortern und Gegnern einer verschärften Irak-Resolution massiv umworben. Frankreich, die USA und Großbritannien schickten sogar hochrangige Emissäre nach Afrika, um die Stimmen der drei zu gewinnen.

Öl und andere Rohstoffe machen Afrika zusätzlich interessant. „Erdöl aus dem Golf von Guinea wird für die USA immer wichtiger“, sagt Mehler. Derzeit stammen rund zehn Prozent der US-Ölimporte allein aus Nigeria. Mit Kamerun und Gabun sind aber auch enge Verbündete Frankreichs mit den USA im Geschäft. Das sieht das einstige Mutterland offenbar nicht gern: Der frühere Präsident der Republik Kongo (Brazzaville), Pascal Lissouba, wirft Paris vor, 1997 seinen gewaltsamen Sturz eingefädelt zu haben. Der vermeintliche Grund: Lissouba wollte die französische Monopolstellung in der Ölwirtschaft seines Landes beenden und amerikanische Konzerne beteiligen.

Dass es Washington auf einen offenen Konflikt mit Paris ankommen lassen wird, glaubt Mehler nicht. „Letztlich sind die USA froh, dass Frankreich bereit ist, in Afrika den Polizisten zu spielen, wie in Elfenbeinküste oder der Demokratischen Republik Kongo.“ Diese Rolle wollten sich die USA nicht aufhalsen. Deshalb zögerten sie auch, sich an einer Friedensmission in Liberia zu beteiligen.

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