Politik : Unter den Linden: Gastarbeit

Robert Birnbaum

"Seine Exzellenz, der Botschafter der Republik Kakanien, beehrt sich Herrn ... und Gattin zu einem Empfang aus Anlass des Besuchs Seiner Exzellenz, des Staatspräsidenten der Republik Kakanien ...". Vornehmstes Büttenpapier, handgeschöpft und mit geprägtem Wappen - macht schwer was her, so eine Einladung. Der derart Angeschriebene fühlt sich gebauchpinselt, dass er im Kreise von Exzellenzen wandeln soll; die Gattin gerät in angenehme Aufregung, ob ihre Garderobe dem Anlass gewachsen ist: So malen es sich die Jungs vom Protokoll wahrscheinlich aus, wenn sie solchen Prunk in Gold und Fraktur entwerfen. Was insoweit psychologisch richtig gedacht ist, als es nicht leicht fällt, das Papier zu dem übrigen Zeugs in den Papierkorb zu schmeißen.

Wer heutzutage einlädt, muss auffallen. In Berlin noch mehr als einst in Bonn, weil das Angebot größer ist - Näheres entnehmen Sie unserem demnächst erscheinenden Hauptstadt-Führer "Umsonst durchfressen - leicht gemacht". Der Zwang zur Originalität hat uns nun eine ganz neue Form der Einladung beschert. Angefangen hat es mit einer Papp-Packung, die einer Medikamentenschachtel täuschend ähnlich sah und aus der auch wirklich ein Tütchen roter Pillen purzelte. Die entpuppten sich bei näherer Analyse indes als Placebos aus Schokolade. Dem Beipackzettel aber war zu entnehmen, dass das Medikament "Einladung" einzunehmen sei bei "Akuter Einweihung der neuen Räumlichkeiten des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie e.V. in Berlin". Als "Nebenwirkungen" waren zum Beispiel "gesundheitspolitische Lösungen" vermerkt. Diesbezüglich war der Zettel nicht ganz vollständig: Verschwiegen wurde der Kater.

Wenig später liegt schon wieder eine Schachtel auf unserem Tisch, wieder heißt sie "Einladung", aber diesmal erinnert sie eher an ein Zigarettenpäckchen. Darin finden sich zwei Zettel, die derart bedruckt und gerollt sind, dass zerstreute Kettenraucher sie anzuzünden geneigt sein könnten. Es handelt sich aber um die Einladung zu einem geselligen Abend des Verbands der Cigarettenindustrie nebst einer Rückantwort.

Man sieht, die Methode wirkt. Wir empfehlen sie hiermit zur Nachahmung. Und zwar insbesondere den folgenden Organisationen: Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie, Deutscher Brauer-Bund, Deutscher Weinbau-Verband sowie - im Sommer - dem Verband der italienischen Speiseeishersteller.

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