Politik : Unter den Linden: Sicher ist sicher!

Markus Feldenkirchen<p>^

Luxus ist - ja, was denn eigentlich? Ein Whirlpool im Badezimmer? Geschirrspülen mit Champagner? Firlefanz. Wahrer Luxus ist, kein Handy zu besitzen. Das erzählen sich seit kurzem feine Herrschaften in noch feineren Restaurants und blicken dabei verächtlich auf das Proletariat der ständig Erreichbaren. Auf die Abgeordneten des Deutschen Bundestages etwa, die nach dieser Theorie recht bodenständig sind. Alle haben ein Handy. Ohne Ausnahme. Das ist zum einen nervig, zum anderen gefährlich. Nehmen wir zum Beispiel den Innenausschuss. Weil Innenminister Otto Schily es gar nicht mag, wenn seine Vorträge über die innere Sicherheit von elektronischem "Für Elise"-Gedudel gestört werden, steht seit einiger Zeit fett auf den Ausschuss-Einladungen: "Handys bitte ausschalten!"

Das ist verständlich, löst aber das Sicherheitsrisiko noch nicht. Deshalb werden die Experten für Inneres jetzt sogar aufgefordert, bei ganz brisanten Sitzungen den Akku des Mobiltelefons abzunehmen. Denn Handys haben eine weitere schlimme Eigenschaft: Selbst wenn sie ausgeschaltet sind, können Spezialisten mithören, was im Umkreis des Geräts gesagt wird. Nimmt man den Akku aber ab, ist der Lauschangriff abgewehrt. Handy-Besitzer tragen ihre persönliche Wanze also theoretisch immer bei sich. Doch wer sollte die Innenpolitiker belauschen wollen? CIA? NPD? BILD? So genau wissen das die Abgeordneten auch nicht. Aber: Sicher ist sicher! Gerade im Innenausschuss. Gerüchten zufolge plant die Bundestagsverwaltung jetzt sogar eine Schilderreihe mit Handylogo und der Aufschrift: "Wir müssen leider draußen bleiben!"

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