Politik : Unter drei

Antje Sirleschtov

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

„Unter drei“ nennen Journalisten und Politiker in Berlin ein Gespräch, das Informationen enthält, die noch nicht ganz zitierfähig sind und die ein Politiker niemals vor laufender Kamera erzählen würde. Hintergründig nennt man solche Gespräche in politischen Kreisen auch. Häufig trifft die berufsmäßige Neugier der Berichterstatter freilich nur auf die Bereitschaft zum Plaudern und Schwätzen, und so mancher Journalist fragt sich hinterher, welche Information aus diesem Gespräch „unter drei“ eigentlich so bedeutend gewesen sei, dass sie nicht an das Licht der Öffentlichkeit geraten soll.

Jetzt hat „unter drei“ aber noch eine ganz andere Bedeutung. Pünktlich zur Frühjahrssaison öffnete im Haus der Bundespressekonferenz gegenüber dem Kanzleramt ein gleichnamiges Restaurant. Vor allem am Wochenende, wenn die Parlamentarier in ihre Wahlkreise ausschwärmen, herrscht hier eine Betriebsamkeit, die der Berliner Volksmund zutreffend mit „Totentanz“ bezeichnet. Hungrig und durstig vorbeischlendernde Touristen sind deshalb zwar gern gesehene Gäste, gehören jedoch kaum zur Zielgruppe der Betreiber.

Ersehnte Kundschaft sind vielmehr Politiker und ihre journalistischen Tischnachbarn, die die Köpfe zum Gespräch zusammenstecken und nebenbei noch so manches Hähnchenschnitzel an Blattsalat und aromatisierter Reisfrikadelle verspeisen. Was das mit mit „unter drei“ zu tun hat? Ursprünglich wollte der Betreiber sein Restaurant „Kanzler-Eck“ nennen, erhielt aber keine Genehmigung dafür. Weshalb ihm das verwehrt wurde, war nicht herauszubekommen. Muss wohl ganz besonders brisant sein. Eben „unter drei“.

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