Politik : Unter echten Freunden

Bundespräsident Rau beendet in Ungarn seinen letzten Staatsbesuch

Christoph Wirtz[Budapest]

Es ist ein langer Abschied. Schließlich hat Johannes Rau schon am 4. September erklärt, dass er kein zweites Mal als Bundespräsident kandidiert. Am Donnerstag beendete Rau seinen endgültig letzten Staatsbesuch: nach 76 Auslandsreisen als Bundespräsident und mehr als vier Jahrzehnten als Politiker. Vier Wochen vor der Wahl seines Nachfolgers besuchte Johannes Rau Ungarn. Es sei ein Zeichen seiner Wertschätzung, dass er gerade Ungarn acht Tage vor dessen EU-Beitritt seinen letzten Besuch abstatte. Er wolle „unter echten Freunden“ sein, sagte er.

Doch nicht nur deshalb war der Besuch des Staatsoberhaupts ein besonderes Ereignis für die Budapester Führungselite. Ist doch die Bundesrepublik mit Abstand der wichtigste Handelspartner Ungarns; ein Drittel der Auslandsinvestitionen des Landes kommen aus Deutschland. Einen Beleg dafür bot die Fahrzeugkolonne, die Rau und seine Delegation am Flughafen erwartete: 27 Limousinen von Audi. Der Ingolstädter Autobauer hat in Györ, siebzig Kilometer vor der Hauptstadt, für 1,7 Milliarden Euro ein Werk gebaut und gut 5000 Arbeitsplätze geschaffen.

Zwar versicherten alle Gesprächspartner immer wieder, die Beziehungen zwischen Ungarn und Deutschland seien nichts weniger als ausgezeichnet. Doch ist die Freude nicht völlig ungetrübt. Dass Deutschland die Freizügigkeit von ungarischen Arbeitnehmern in der EU einschränkt, wird nur bitter akzeptiert. Man sei für Deutschland doch „keine Gefahr“, betonte Staatspräsident Ferenc Madl. Und auch die gereizten Einlassungen der deutschen Politik zu Überlegungen von Siemens, große Teile der Produktion nach Ungarn zu verlagern, wurden in Budapest mit wenig Verständnis aufgenommen. Außerdem sind die Differenzen um den Irak-Krieg nicht ganz vergessen. Man könne als kleines Land seine Koalitionen eben nicht immer frei wählen, sagte eine Mitarbeiterin des Präsidenten.

Ganz zum Schluss sagte Rau, er empfinde Dankbarkeit, Neugier und etwas Unsicherheit, wenn er an die Zukunft denke. Von Wehmut sei er weit entfernt. Und doch lassen sich die Zeichen nicht leugnen: In Berlin war das komplette Protokoll des Auswärtigen Amtes zur Begrüßung auf dem Rollfeld angetreten und läutete das Ende der Amtszeit des achten deutschen Bundespräsidenten ein.

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