Politik : Unter Kandidaten

Hillary Clinton hat derzeit bei den Demokraten die besten Umfragewerte – Hauptthema aller ist der Irak

Christoph von Marschall[Washington]

Sind sie die Hoffnung auf einen Politikwechsel, die Alternative zu George W. Bush? Das Thema, das Europa zwei Tage vor dem G-8-Gipfel bewegt, kommt in der zweiten Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten nicht vor. Klimapolitik und Erderwärmung sind für Amerikaner zweitrangig, das hatte am Morgen eine Umfrage der „Washington Post“ und des TV-Senders ABC bestätigt. Als wichtigstes Thema bei der Wahlentscheidung nannten zwei Prozent der Demokraten Umwelt, bei den Republikanern fiel es ganz durch. Irak hat den höchsten Wert (39 Prozent bei den Demokraten, 15 bei den Republikanern), es folgen Wirtschaft und Jobs, Gesundheitsreform und Einwanderung. „Ein starker Führer“ und „jemand, dem ich vertrauen kann“, rangieren noch vor Bildung.

Wie weiter im Irak – und wie sicher sind wir vor neuen Anschlägen? Diese Fragen beherrschten die erste halbe von insgesamt zwei Stunden Debatte in New Hampshire: In dem Neuenglandstaat und Iowa beginnt traditionell im Januar das Wahljahr mit den Vorwahlen, in denen beide Parteien ihren Kandidaten bestimmen. Wer in New Hampshire und kurz zuvor in Iowa die Nase vorn hat, bekommt Rückenwind. Wer in beiden schlecht abschneidet, ist schon fast aus dem Rennen.

Mit konsequenten Nachfragen durchbrach CNN-Moderator Wolf Blitzer die Fassade, wonach alle Demokraten geeint gegen Präsident Bush stehen und einen raschen Abzug aus Irak fordern. Die nötige Mehrheit für einen Terminplan hatten sie im Kongress nicht zustande gebracht. Das Geld streichen wollen die meisten aber auch nicht aus Furcht, dies werde ihnen als Schlag gegen die Soldaten ausgelegt.

Barack Obama hatte den leichtesten Stand, er hat den Krieg von Anfang an abgelehnt. John Edwards entschuldigte sich abermals für sein Ja. Hillary Clinton will das bis heute nicht und kompensiert das mit Angriffen auf Bush. Nun versprach sie, den Krieg zu beenden, „sobald ich Präsident bin“ – als erste Tat im Amt. Seit der ersten Debatte Ende April in South Carolina hat sie ihren Vorsprung ausgebaut. In der Umfrage führt sie mit 42 Prozent vor Obama (27) und Edwards (11), keiner der weiteren fünf Kandidaten kommt über zwei Prozent.

Am Wochenende war ein Terrorplan gegen den John-F.-Kennedy-Airport in New York aufgedeckt worden. „Wir sind heute sicherer als 2001“, sagt Clinton und verteidigt Bushs Terrorabwehr zum Teil, distanziert sich aber von Guantanamo. Obama widerspricht, die USA seien heute weniger sicher, Bush habe kein Gespür für die wahren Gefahren. Edwards spottet, Bushs „Krieg gegen den Terror“ sei „nur ein Autoaufkleber“, eine billige Formel ohne ernsten Gehalt.

Kurz streift die Debatte doch noch das Thema Energie. Was tun gegen die hohen Benzinpreise? Schärfere Kontrollen der Konzerne ist die Hauptantwort. Der Rat, Energie zu sparen, fällt nur leise, fast verschämt. Von Europas Klimapolitik sind auch Spitzendemokraten noch weit entfernt – zumindest so lange sie darum wetteifern, von der Mittelklasse in New Hampshire nominiert zu werden.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar