Politik : Unter Monarchisten

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Dem Berliner als solchem wird vom Volksmund im Rest der Republik gerne eine Neigung zur Monarchie nachgesagt. Woher das Vorurteil kommt, ist schwer zu sagen, eindeutig ist aber, dass die Sehnsucht nach dem ollen Kaiser Wilhelm von nämlichem Volksmund unter die mit einem gewissen Misstrauen beäugten Nationaleigenschaften des Hauptstadtbewohners gezählt wird. Es handelt sich dabei aber nicht um einen Ausdruck republikanischer Reife im übrigen Land, sondern um die historische Abneigung des deutschen Kleinstaaters gegen die Preußen. Man ist seinerzeit erobert oder erworben worden, und das vergisst sich nicht so schnell. Zumal diese Preußen ja eher Neureichs unter den Herrscherhäusern gewesen sind, soldatenkaisernde Parvenüs mit zu kurz geratenem Stammbaum.

Es handelt sich, wie gesagt, um ein Vorurteil. Auf einem anderen Blatte steht, dass der Berliner als solcher auf das Putzigste immer wieder bemüht ist, ihm frische Nahrung zuzuführen. Die Debatte um den Wiederaufbau des Stadtschlosses nötigt den (notabene ehemals preußischen) Rheinländern nur ein abschätziges Lächeln ab: so viel Lärm um einen ein paar Jahrzehnte alten Historienschinken – wenn wir erst mal anfangen würden, unsere zwei Jahrtausende zu rekonstruieren… Ach ja, und dann gibt es da noch eine Ausstellung zurzeit in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz, „Kaiserdome am Rhein“. Die ist eben verlängert worden wegen Besucherrekords. Zu sehen ist, unter anderem, die einzig erhaltene deutsche Kaiserkrone, Baujahr irgendwann kurz vor 1000. Mehr als 10 000 Besucher haben sich die schon angeschaut. Und heimliche Monarchisten sind sie also doch!

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