Politik : Unter Schutz, aber ohne Geld

Die UN-Artenschutzkonferenz berät über einen Plan zur Rettung von Orang Utan und Co. – aber niemand will dafür bezahlen

Moritz Kleine-Brockhoff,Dagmar Dehmer

Von Moritz Kleine-Brockhoff

und Dagmar Dehmer

Bis 2010 soll ein globales Netzwerk von Naturschutzgebieten aufgebaut werden. Darüber sind sich die 188 Vertragsstaaten bei der Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt in Kuala Lumpur einig. „Wenn das sofort umgesetzt würde, hätte der Orang Utan noch eine Chance zu überleben“, sagt Martin Kaiser von Greenpeace. Der „gute Plan mit klaren Zielen und Umsetzungsschritten“ habe nur einen Haken: die Finanzierung.

Auch Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne), der in Malaysia mitverhandelt, will sich nicht auf neue Finanzzusagen einlassen. Dem Tagesspiegel sagte er: „Wir haben im vergangenen Jahrzehnt 500 Millionen Euro für direkte Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben, die ausschließlich dem Erhalt der Artenvielfalt zugute gekommen ist. Und wir sind drittgrößter Geldgeber des globalen Umweltfonds der Vereinten Nationen ,Global Environment Facility’, der für diese Zwecke seit 1991 rund 1,6 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt hat.“ Zudem relativiert ein Trittin-Sprecher den Erfolg der Konferenz etwas. Jetzt werde erst einmal eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die über die Regeln zur Verteilung von Mitteln beraten müsse.

Trittin hat sich bei der UN-Artenschutzkonferenz massiv für den Aufbau eines weltweiten Schutzgebietsnetzes eingesetzt. „Es soll insbesondere Wälder, aber auch die hohe See schützen, zum Beispiel Korallenriffe“, erläuterte der Minister. Das UN-Umweltprogramm Unep forderte zudem einen verstärkten Einsatz für die Nebelwälder weltweit. Unep hatte eine Studie in Auftrag gegeben, um den Zustand dieser in vielen Ländern überlebenswichtigen Wasserspeicher zu ermitteln. Das Ergebnis: Es gibt viel weniger Nebelwälder als vermutet. Diese sind zugleich die wichtigsten Lebensräume der vom Aussterben bedrohten Großaffen wie Orang Utans in Indonesien oder Gorillas in Afrika sowie etwa der Brillenbären in den Anden.

Bis zum Schluss umstritten blieb die Forderung vieler Entwicklungsländer, stärker an den Gewinnen aus der Nutzung ihrer Heilpflanzen oder ihres traditionellen Wissens durch Pharmakonzerne beteiligt zu werden. Unep-Chef Klaus Töpfer wies darauf hin, dass die Natur dadurch zu einem wertvollen Gut werde. Gleichzeitig verlangte er eine gerechtere Teilung der Gewinne daraus. Unep-Experten beschrieben als Beispiel für einen ungerechten Vertrag eine Wildreispflanze aus Mali, die ein Resistenzgen gegen eine verbreitete Reiskrankheit enthält. Als Gegenleistung für die Nutzung bekam das Volk der Bela ein Doktoranden-Stipendium an einer kalifornischen Universität. Kaum ein Bela kann aber die Aufnahme-Voraussetzungen erfüllen.

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