Politik : Unter sich

Volker Hildisch[Saarbrücken]

Von Volker Hildisch,

Saarbrücken

Am Freitagabend, nur wenige Stunden nach dem Abstimmungsmarathon über die Reformgesetze im Bundestag, saßen im fernen Saarbrücken zwei alte politische Gegenspieler zusammen, räsonierten über neoliberale Marktfetischisten und machten sich gegenseitig Komplimente: der SPD-Abgeordnete Ottmar Schreiner und der CDU-Ruheständler Heiner Geißler. Die Landespressekonferenz hatte dem Schröder-Widersacher Schreiner ihren jährlichen Preis, die „Goldene Ente“, für einen besonders offenen Umgang mit den Journalisten, verliehen, und der frühere CDU-Generalsekretär hatte auf Anfrage spontan als Laudator zugesagt. „Das hätte ich mir nur schwer träumen lassen," gab Schreiner zu. Doch die politischen Verhältnisse haben sich nun mal so entwickelt, dass die alten Gegner in ihren jeweiligen „Sultanaten“ (Geißler) mittlerweile als Fossilien gelten: Der Alt-Linke Schreiner und der Herz-Jesu-Sozialist Geißler versuchen so viel wie möglich an sozialer Balance in der Gesellschaft zu retten – und werden dabei zu Außenseitern gestempelt. „Vermutlich hätte ich auch gegen die Zumutbarkeitsregelung von Niedriglohnjobs und die Anhebung der Grenze beim Kündigungsschutz gestimmt“, sagte Geißler. Dem Lohndumping seien damit Tür und Tor geöffnet. Das, so ergänzte Schreiner, führe zu amerikanischen Verhältnissen: Zunahme der Gewalt und einer wachsenden Kriminalisierung im Kampf um die nackte Existenz. „Eine solche Gesellschaft will ich nicht.“Zum Schluss überreichte Geißler dem SPD-Linken sein neues Buch „Was würde Jesus heute sagen?". Mit der persönlichen Widmung „Solidarität statt Kapitalismus“.

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