Politik : Unter Waffen - Die UCK und ihre Wandlungen

Claudia Lepping

Die UCK ist tot, es lebe die UCK. Die Befreiungsarmee der Kosovo-Albaner musste sich laut Friedensvertrag entwaffnen und in eine legale Organisation umwandeln. Doch niemand kann dies überprüfen. Als die UCK im Frühjahr 1996 erste Anschläge auf serbische Polizisten verübte, um gegen die Unterdrückung der mehrheitlich albanischen Bevölkerung durch die Serben Widerstand zu leisten, konnte sie bereits auf ein weit verflochtenes Waffen- und Finanzierungssystem im Ausland zurückgreifen. Mehr als 560 000 Gewehre, 1,5 Milliarden Patronen und 3,5 Millionen Granaten wurden allein bei den Unruhen 1997 aus albanischen Beständen geplündert. Unter dem Namen "Kosovo-Schutzkorps" und der Regie des von den USA hofierten UCK-Chefs Thaci haben heute rund 5000 frühere UCK-Kämpfer den Auftrag, die KFOR-Friedenstruppe und die Unmik-Mission durch eine Art technisches Hilfswerk zu unterstützen. Inzwischen wirft Unmik dem Korps vor, maßgeblich und verantwortlich an kriminellen Machenschaften und ethnisch motivierten Gewalttaten gegen Serben und andere ethnische Minderheiten beteiligt zu sein. Das Korps habe Angehörige dieser Volksgruppen willkürlich verhaftet, bestraft oder zu zweifelhaften Steuerzahlungen gezwungen. Andere UCK-Veteranen sollen für den Polizeidienst ausgebildet werden. Die restlichen 20 000 UCK-Kameraden jedoch wurden ausgemustert - und folgen längst nicht mehr ihrem einst verehrten Führer Thaci, dem sie Anbiederung an die internationale Gemeinschaft und Verrat an der Unabhängigkeit des Kosovo vorwerfen. In den drei benachbarten Gemeinden Presevo, Bujanovac und Medvegje (PBM) stehen bewaffnete und uniformierte UC-PBM-Kämpfer, entschlossen die Sicherheitsinteressen der Albaner zu verteidigen, nachdem die Kfor dies in ihren Augen schon in Mitrovica nicht zu leisten vermag. Denn für die UCK bedeutet die halbherzige UN-Zusage für eine "substanzielle Autonomie" noch immer Unabhängigkeit.

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