Politik : Unter wilden Kerlen

Von Lorenz Maroldt

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Am 11.11. vergangenen Jahres war zu lesen, die CDU-Führung Brandenburgs habe auf Anregung von General Schönbohm im Kampf um den Parteivorsitz einen „Waffenstillstand“ vereinbart. Doch auch in der Mark wird Karneval gefeiert, eine solche Nachricht just zum Beginn der närrischen Zeit nahm niemand ernst, schon gar nicht einer der Kombattanten. Ohnehin hält auch in Ganznahost so ein Waffenstillstand selten länger als bis zum Anbruch der nächsten Nacht. Hier die Petkes, dort die Junghannsianer – sie alle führen sich auf, als gehörten sie zu den Wilden Kerlen, für deren Comics und Filme so geworben wird, wie es dem Brandenburger Fremdenverkehrsamt mit Blick auf einen Teil der einheimischen Parteipolitik auch ganz gut möglich wäre: „Ein actiongeladenes Abenteuer, in dem es von finsteren Fallen, fieser Sabotage und gefährlichen Abgründen nur so wimmelt.“

In den vergangenen gut fünfzehn Jahren endete für etliche Unionisten das Abenteuer Brandenburg im Abgrund. Nicht alle klettern so erfolgreich wieder heraus wie Angela Merkel, die einst in Kyritz an der Knatter gegen Ulf Fink unterlag, obwohl oder weil sie protegiert wurde von Helmut Kohl. Doch auch Fink fand nicht sein Glück in dieser Partei, die sich Leuten anvertraute wie Peter-Michael Diestel, die Lothar de Maizière abstieß und Herbert Schirmer, den letzten Kulturminister der DDR, die auch Unerfahrene und Unbeliebte an die Spitze setzte und gleich wieder damit begann, sie abzusägen. Sieben Vorsitzende quälten sich durch die ersten Jahre nach der Wende, die Landespartei war ohne Bedeutung. Dann kam Schönbohm und führte die CDU in die Regierung. Die Partei schien ihren Frieden mit sich gemacht zu haben. Welch ein Irrtum!

Jetzt geht Schönbohm wieder, und alles ist wie zuvor, wenn nicht sogar schlimmer. Der Machtkampf der Lager um Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns und Ex-Generalsekretär Sven Petke war schmutziger, als die Wirklichkeit schadlos verträgt. Er wird deshalb nicht enden mit der Wahl eines der beiden zum Nachfolger Schönbohms, dafür waren die gegenseitigen Verletzungen zu tief. So endet auch die achte Staffel dieser Reality-Soap mit einem genretypischen Cliffhanger. Eine Geschichte voller Affären, Denunziationen, Indiskretionen und menschlicher Niedertracht, die nach Fortsetzung giert.

Angela Merkel, die einst in Brandenburg scheiterte, wird als Bundesparteichefin dabei sein, wenn Jörg Schönbohm an diesem Samstag in Frankfurt an der Oder Abschied vom Amt nimmt. Die folgende Wahl seines Nachfolgers auf diesem Parteitag aber tut sich Merkel nicht an, das verfolgt sie aus sicherer Ferne. Man wird Schönbohm zu Recht dafür loben, wie er damals die Truppe geordnet hat. Sein Rückzug allerdings geriet zum Desaster. Die „Schweinereien“, die er heute beklagt, hat er mit verursacht. Schönbohms Ungeschick trug dazu bei, dass sich heute in der Partei zwei Lager in schwer zu versöhnender Feindschaft grimmig gegenüberstehen. Ausgerechnet seinen Wunschnachfolger Junghanns machte Schönbohm zum Aufklärer der E-Mail-Affäre, in deren Mittelpunkt Petke stand – eine Provokation mit absehbaren Folgen.

Vom Integrieren zum Intrigieren ist es ein kleiner Schritt. Zurück ist der Weg ungleich schwerer. In die eine Richtung lässt sich Vertrauen nutzen, also missbrauchen. In die andere Richtung muss massives Misstrauen überwunden werden. Es ist deshalb nur schwer vorstellbar, wie der Sieger, egal wie er heißt, die Partei wieder einen könnte. Aber das ist noch das geringste Problem der CDU mit ihrem Führungspersonal. Junghanns ist der Kandidat für eine sittsame Bürgerschaft, die es in der Mark kaum gibt. Petkes Politikstil wiederum ist das Unterhaltungsprogramm für ein zynisches Publikum, das unberechenbar bleibt. Der eine, Junghanns, mag ein passabler Minister sein, der andere, Petke, war als Generalsekretär ein kräftiger Beißer. Beide müssten sich schon sehr ändern, um eine Partei führen zu können.

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