Politik : Untergetaucht

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Lieber Jakob Mierscheid,

schön, mal wieder von Ihnen zu hören! Wir dachten schon, Ihnen sei etwas zugestoßen, so lange haben Sie geschwiegen. Dann fiel uns auf, dass eine Kneipe im Regierungsviertel plötzlich nicht mehr „Mierscheid“, sondern „Kanzler-Eck“ heißt. Hat Gerhard Schröder Sie verdrängt? Sind Sie aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen worden? Haben Sie historischen Unsinn erzählt?

Mit der Geschichte haben Sie es ja. Völlig zurecht weisen Sie in Ihrem jüngsten Schreiben darauf hin, dass man dieser Tage nicht nur des Mordes an John F. Kennedy gedenken sollte. Der wurde ja vor 40 Jahren in Dallas erschossen. Ihr Vorfahr Johannes Bückler (Sie nennen ihn „eine Art Sozialarbeiter“, andere kennen ihn als den Räuberhauptmann „Schinderhannes“) wurde vor genau 200 Jahren in Mainz guillotiniert. Wohl der erste Deutsche, der maschinell geköpft wurde. Nun schreiben Sie: „Ich habe den Franzosen verziehen.“ Das ist sicher höchst ehrbar, aber umso weniger verstehen wir, warum Sie als besonders dienstalter SPD-ler so beharrlich zu den großen Themen der Zeit schweigen.

Wo ist Ihr Beitrag zur Reformdebatte? Bloß weil es die Bundestagsverwaltung schnöde unterlässt, auch Ihr Foto und Ihre Biografie ins Abgeordneten-Handbuch zu drucken, brauchen Sie sich doch eines Kommentars zur Ausbildungsplatzabgabe, zur Vermögenssteuer oder zur Zumutbarkeit von Billig-Jobs nicht zu enthalten! Wir meinen: Kommen Sie, zumindest politisch, aus der Deckung! Dies ist der Herbst der Wahrheit!

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