Politik : Unterm Kuppelsauger

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es ist warm in Deutschland. Bis zu 35 Grad sollen es in den kommenden Tagen werden. Wirklich kein passendes Wetter, um schwitzend im Büro zu sitzen. Da tröstet auch die Nachricht nicht, dass die Wasserqualität der Berliner Badeseen schlechter geworden sein soll. Und dann auch noch das! Eine große deutsche Boulevardzeitung schreckt alle Wochenendarbeiter auf, die an diesem Wochenende in den verwaisten Ministerien, in den Redaktionsstuben oder sonstwo an ihren Schreibtischen sitzen und nachdenken.

Wilhelm Wuschko hat Alarm geschlagen. Der „renommierte Feng-Shui-Berater“ hat besagter Boulevard-Zeitung nämlich exklusiv verraten, dass die Reichstags-Kuppel unseren Politikern die Ideen wegsaugt. „Der Reichstag ist ein denkbar schlechtes Gebäude, um Politik zu machen! Denn die Energie wird durch die gläserne Kuppel aus den Abgeordnetenköpfen regelrecht in den Himmel gesogen“, sagt Wuschko. Die staunende Leserschaft klärt er außerdem darüber auf, dass der gläserne Kegel, der in den Plenarsaal hineinragt, „als tödlicher Stachel“ das Wohl Deutschlands bedrohe. Warum? „Die Abgeordneten fühlen sich durch ihn bedroht, werden gestresst, aggressiv.“ Aha.

Ein vorsichtiger Blick an die Decke: Stören Neonröhren und Raufaser-Tapete wohl den Gedankenfluss? Eine Vorwarnung: Wundern Sie sich nicht, wenn Sie demnächst mal einen langweiligen Artikel lesen sollten. Das kann nur die leise summende Klimaanlage im Büro gewesen sein, die alle kreativen Ideen weggesaugt hat. Oder wenn Sie einen bösen Kommentar lesen. Diese schmale, schwarze Schreibtischlampe, die sich über den Computer beugt, kann einen doch nur aggressiv machen!

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