Unternehmenssteuerreform : Die Eckpfeiler der Unternehmenssteuerreform

Insgesamt fünf Milliarden Euro sollen die Firmen in Deutschland künftig an Steuerzahlungen einsparen. Das ist eines der Ziele der Unternehmensteuerreform, deren Eckpunkte das Kabinett am Mittwoch beschloss.

Berlin - Die - zum Teil strittigen - Einzelheiten der Reform sollen erst im Laufe des parlamentarischen Verfahrens im Herbst entschieden werden. In Kraft treten soll das Paket Anfang 2008. Im Folgenden ein Überblick:

KÖRPERSCHAFTSTEUER: Rund ein Fünftel der Firmen in Deutschland sind Kapitalgesellschaften: Aktiengesellschaften oder GmbHs (Gesellschaften mit beschränkter Haftung). Sie zahlen derzeit eine Körperschaftsteuer mit einem einheitlichen Satz von 25 Prozent - dieser soll nach dem Willen der Regierung nun sinken. Zudem soll die Körperschaftsteuer in eine föderale Unternehmensteuer umgewandelt werden.

GEWERBESTEUER: Kapitalgesellschaften zahlen neben der Körperschaftsteuer auch Gewerbesteuer, deren Höhe von Kommune zu Kommune unterschiedlich ist. Zusammengerechnet liegt die durchschnittliche Steuerbelastung für die großen Unternehmen bei fast 39 Prozent. Durch die Koalitionsbeschlüsse soll der Satz nun auf unter 30 Prozent sinken - wobei noch offen ist, wie die Senkung auf Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer verteilt wird. Die Gewerbesteuer soll zudem parallel zur Körperschaftssteuer zu einer kommunalen Unternehmensteuer entwickelt werden. Die Kommunen, für die die bisherige Gewerbesteuer eine der wichtigsten Einnahmequellen ist, sollen auch weiterhin genug Geld zur Erfüllung ihrer Aufgaben bekommen.

BEMESSUNGSGRUNDLAGE: Um die Steuerausfälle für den Staat zu begrenzen, sollen künftig mehr Bilanzposten der Unternehmen in die Berechnung der Steuerschuld einbezogen werden. Welche dies sein sollen, ist noch nicht entschieden. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) zählt dazu auch Ausgaben wie Zinsen, Mieten und Pachten. Er will so Steuerschlupflöcher schließen. Wirtschaft und der größte Teil der Union sind allerdings gegen eine solche Ausweitung der Bemessungsgrundlage.

PERSONENGESELLSCHAFTEN: Vier Fünftel aller Unternehmen in Deutschland sind Personengesellschaften, zum Beispiel Handwerksbetriebe. Sie zahlen - im Gegensatz zu den Kapitalgesellschaften - Einkommenssteuer mit einem Satz zwischen 15 und 42 Prozent und damit zum Teil deutlich mehr als die 25 Prozent Körperschaftsteuer. Die große Koalition will daher auch Personengesellschaften entlasten. Wie das geschehen soll, muss noch im Einzelnen geklärt werden.

ABGELTUNGSSTEUER: Kapitaleinkünfte werden derzeit noch sehr unterschiedlich besteuert. Künftig soll es eine einheitliche Abgeltungssteuer geben. Deren Höhe muss noch festgelegt werden, Steinbrück schlägt 30 Prozent für 2008 und 25 Prozent ab 2009 vor. Die große Koalition erhofft sich dadurch unter anderem ein Ende der Kapitalflucht - und letztlich mehr Einnahmen.

ERBSCHAFTSTEUER: Ebenfalls zur Entlastung des Mittelstands sollen Firmenerben vollständig von der Erbschaftsteuer befreit werden, wenn sie das Unternehmen mindestens zehn Jahre lang weiterführen. Die SPD will das Zugeständnis zudem an den Erhalt von Arbeitsplätzen knüpfen. Diese Änderung soll bereits am 1. Januar nächsten Jahres in Kraft treten. (tso/AFP)

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