Politik : Unternehmer als Problemlöser

Michael Schmidt

Berlin - Unter Freunden gilt sie als „Trüffelschwein“. Das ist als Kompliment gemeint. Die Trüffel, die Konstanze Frischen sucht, sind Antreiber, Visionäre, Mutmacher. Menschen, die mit Geschick kreativ und pragmatisch soziale Probleme lösen wollen. Frischen nennt sie „Social Entrepreneurs“. Sozialunternehmer, die nicht nur viel Geld verdienen, sondern Modelle für eine bessere Gesellschaft entwickeln wollen. Hat sie einen gefunden, unterstützt sie ihn, wo sie kann. Und die 31-Jährige kann.

Der studierten Ethnologin, die einst die Arbeit an ihrer Dissertation einstellte, weil sie ein größeres Publikum wollte und folgerichtig in den Journalismus wechselte, Ressort Wirtschaft, war auch das beizeiten nicht genug: Sie wollte ihr theoretisches Wissen und ihr kommunikatives Können in die Praxis einbringen: Sie googelte „sozial“ und „Unternehmertum“ – und landete bei Ashoka. Seit 2003 ist sie Geschäftsführerin von Ashoka in Deutschland und sammelt Millionenspenden.

Ashoka – der Name geht zurück auf den ersten indischen Herrscher, der ethische Anliegen in die Politik einbrachte (268-233 v.Chr.) – ist eine internationale Non- Profit-Organisation zur Förderung von Sozialunternehmern. Der US-Unternehmer, Menschenrechtler und Umweltschützer Bill Drayton, damals beim Beratungsunternehmen McKinsey, fragte sich 1980, warum so viel Geld in der Entwicklungshilfe versickert. Seine Antwort: Die sozialen Dienste sind nicht professionell genug. Das wollte er ändern. Und eröffnete Büros in Asien, Lateinamerika, Afrika, Osteuropa und schließlich auch den USA.

Heute ist Ashoka in 53 Ländern präsent, hat 1600 Stipendiaten unterstützt – Motto: „Ashoka fördert nicht Projekte, sondern die Köpfe dahinter“ – und startet nun auch in Deutschland. Warum? „Deutschland steckt in der Krise“, sagt Frischen zur Begründung. „Es mangelt an Lösungen für gesellschaftliche Probleme, und dem Staat fehlen die Mittel.“ Ashoka-Ehrenmitglied Peter Eigen, Gründer von Transparency International, unterstrich am Freitag beim Ashoka-Forum im Berliner Abgeordnetenhaus, im internationalen Vergleich hänge der soziale Sektor in Deutschland überproportional vom Geld der öffentlichen Hand ab: nämlich zu 65 Prozent. „Die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Organisationen, die wie Ashoka helfen, da etwas aufzufangen, ist gar nicht zu überschätzen“, sagte Eigen.

Ashoka verfügt nach eigenen Angaben weltweit über ein Jahresbudget von 15 Millionen Euro. Spenden, von Unternehmern, Konzernen, Privatleuten, die zu 70 Prozent als Stipendien vergeben und zu einem Viertel verwendet werden, um Kongresse und Tagungen zu organisieren, die die Unternehmer mit Gleichgesinnten, mit Wirtschaft und Wissenschaft in Kontakt bringen. Frischen ist stolz darauf, dass mehr als 90 Prozent der Stipendiaten auch fünf Jahre nach der Auswahl noch in ihrem Projekt aktiv sind und neun von zehn den Sprung auf die internationale Ebene geschafft haben.

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