Politik : Unterschriften für „Stalingrad“ Russlands Kommunisten: Stadt wieder umbenennen

Moskau - Die russischen Kommunisten haben eine Unterschriftenaktion gestartet. Gesammelt, so der Chefjurist der Kommunistischen Partei Russlands, Wadim Solowjow, würde, wo immer sich die Gelegenheit bietet: in Schächten und Fabriken, bei Konzerten und Kundgebungen der Protestbewegung. Ziel der Aktion ist nichts Geringeres als die Rückbenennung der Stadt Wolgograd in Stalingrad, pünktlich zum 70. Jahrestag der Schlacht im Winter 1943. Diese stellte die Weichen für den Ausgang des Zweiten Weltkriegs. Im Zuge der Entstalinisierung hatte die Stadt 1961 den Namen des Diktators verloren.

Wenn die KP 100 000 Unterschriften gesammelt hat, kann sie einen Gesetzentwurf für die Rückbenennung der Wolga- Stadt in die Duma einbringen. In der Abstimmung genügt dann die einfache Mehrheit, doch von der sind die Kommunisten weit entfernt. Derzeit stellen sie gerade einmal 91 von 450 Abgeordneten. Dagegen hält die Partei Einiges Russland, Putins Hausmacht, 238 Sitze. Vor allem in deren Jagdgründen wollen die Kommunisten daher wildern. Teile der Eliten, sagte Nikolai Petrow vom Moskauer Carnegie-Zentrum der Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“, könnten der Stalin-Ära durchaus Charme abgewinnen, aus Imagegründen aber nicht selbst bei der Rückkehr zum alten Stadtnamen in die Offensive gehen. Anders die KP, die sich nie deutlich von Stalin distanziert hatte. Mit dem Stalingrad-Thema könnten die Kommunisten ihr Profil schärfen.

Kritische Meinungsforscher dagegen glauben, die KP könnte schon bei der Unterschriftenaktion scheitern. Umfragen, so der Direktor des Lewada-Zentrums, Lew Gudkow, zeigten, dass viele Russen Stalin zwar noch immer das Verdienst für den Sieg der Sowjetunion über Hitler an die Brust heften. Der Anteil derjenigen, die die gestürzten Denkmäler des Tyrannen wiederaufgerichtet sehen möchten, sei jedoch in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen. win

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