Untersuchungsergebnis : UN-Tribunal: Milosevic nicht vergiftet

Das UN-Kriegsverbrechertribunal ist Spekulationen um einen unnatürlichen Tod des früheren jugoslawischen Präsidenten Milosevic entgegen getreten. Milosevic sei nicht vergiftet worden, lautet das Ergenis einer Blutuntersuchung.

Den Haag - Der vor einer Woche im UN-Kriegsverbrechergefängnis in Den Haag gestorbene jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic ist nicht vergiftet worden. Das stellten niederländische Gerichtsmediziner nach einer Blutuntersuchung fest. «Es wurden keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden», heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft von Den Haag, die auch das UN-Tribunal am Freitag veröffentlichte.

Gefunden wurden nach diesen Angaben nur Spuren derjenigen Medikamente, die Milosevic von seinen behandelnden Ärzten gegen hohen Blutdruck verschrieben worden waren - «aber nicht in einer toxischen (giftigen) Konzentration». Von dem Lepra- und Tuberkulosemittel Rifampicin, das bei einer früheren Untersuchung Milosevics in dessen Blut entdeckt worden war, fanden die Experten jetzt keine Spuren mehr. Da es schnell im Körper abgebaut wird, heiße dieser Befund nur, «dass es in den letzten wenigen Tagen vor dem Tod nicht eingenommen oder verabreicht wurde». Rifampicin kann die Medikamente gegen den Bluthochdruck außer Kraft setzen, die Milosevic nehmen musste.

Wie Milosevic früher an dieses Mittel gekommen ist, bleibt noch ungeklärt. Gerichtspräsident Fausto Pocar und der Verwaltungschef des Tribunals, Hans Holthuis, wandten sich gegen Vorwürfe mangelnder Wachsamkeit in dem UN-Gefängnis. Die Haftanstalt erfülle höchste Anforderungen, und Milosevic sei die bestmögliche Behandlung zuteil geworden, betonte Pocar.

Holthuis wies darauf hin, dass Milosevic, der sich ohne Anwalt selbst verteidigte, im Gefängnis ein Büro eingerichtet worden war. Dort habe er mehr als 70 Zeugen empfangen, die weniger streng kontrolliert würden als Besucher. Ohne Einzelheiten zu nennen, versicherte Holthuis, dass Maßnahmen ergriffen worden seien, als vor längerer Zeit unerlaubte Medikamente und sogar Alkohol bei Milosevic gefunden worden waren.

Zu der Bemerkung russischer Spezialisten, eine Operation in Moskau hätte Milosevics Lebenszeit verlängern können, verwies Pocar auf die Entscheidung der zuständigen Strafkammer. Diese hatte eine vorübergehende Entlassung nach Moskau wegen Fluchtgefahr abgelehnt und die Möglichkeit einer Operation in den Niederlanden zur Sprache gebracht.

(tso/dpa)

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